Schwurbeldeutsch entschwurbeln: Aus lang mach kürzer

Verwaltungen sind nicht nur für ihre überbordende Bürokratie bekannt – das liegt in der Natur der Sache -, sondern auch für verschwurbeltes Deutsch, sperrige Texte und Bandwurmwörter und -sätze. Aufgabe von uns Journalisten ist es, solche sperrigen Texte in leicht zu lesende umzuwandeln. Nicht immer ganz leicht, man muss sich weit vom Text lösen und darf sich nicht in diese Art des Schreibens hineinziehen lassen. Zum Vergleich gibt es hier nun zwei Varianten eines Textes. Die erste Variante ist die Pressemitteilung einer Gemeinde. Ich habe sie anonymisiert, schließlich will ich hier niemanden vorführen. Alle Namen sind fiktiv und kommen, Überprüfung durch Google sei dank, im echten Leben nicht vor. Es ist nicht die Aufgabe von Verwaltungsleuten, gute Pressetexte zu schreiben. Aber das Beispiel unten ist so gespickt von Schwurbeldeutsch, dass ich es hier zeigen möchte. Vor allem Wörter wie Bereich, Anlegung, bauliche Realisierung und politischer Raum zeichnen Schwurbeldeutsch aus. Hinzu kommt, dass der Aufbau nach journalistischen Standards falsch ist. Erst kommt die Vorgeschichte, dann die Nachricht. Umgekehrt wäre es richtig.

Variante 1 (Originaltext, 317 Wörter)

Die Gemeinde Kleinkleckersdorf hatte im Sommer 2013 aufgerufen zur Teilnahme an einem öffentlichen Ideen-Wettbewerb über Standorte und Gestaltung von Kneipp-Anlagen innerhalb der Gemeinde. Alle Bürgerinnen und Bürger, die ihren Wohnsitz in der Gemeinde Kleinkleckersdorf haben oder in der Gemeinde in einem Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis stehen, waren eingeladen, sich an dem Wettbewerb zu beteiligen. Die Teilnahmebeiträge mussten bis zum 30. September 2013 eingereicht werden. Unter den insgesamt eingereichten 10 Beiträgen wurden durch den als Jury fungierenden Ausschuss für Tourismus und Kurangelegenheiten der Gemeinde Kleinkleckersdorf im November letzten Jahres die Preisträger ermittelt und nunmehr im Rahmen einer gemeinsamen Kaffeetafel die (Geld-) Preise übergeben. Bürgervorsteher Karl Napf, Bürgermeister Wilhelm Öttenpötter und Gemeindevertreter Nikolaus Fuchsenrieder in seiner Funktion als Vorsitzender des Ausschusses für Tourismus und Kurangelegenheiten ehrten dabei folgende Preisträger: Der erste Preis in Höhe von 300,– € wurde Herrn Bertrand Meisterjan (Kleinkleckersdorf) zuerkannt für seinen Vorschlag, am Uferbereich der Seepromenade eine Kneipp-Anlage in Form eines Tretbeckens und einer Liegewiese zum Tautreten zu schaffen. Bertrand Meisterjan kann sich aus seiner Kindheit noch gut daran erinnern, dass in dem vorgeschlagenen Bereich in den dreißiger Jahren eine Badeanstalt existierte, die nach dem 2. Weltkrieg abgerissen wurde. Mit der Idee der Anlegung eines „Barfußpfades“ im Kurpark wurde der Vorschlag von Herrn Ernst-Erich Knall (Kleinkleckersdorf) bewertet und mit einem Geldpreis in Höhe von 250,– € belohnt. Der Fühlpfad soll aus unterschiedlichen Materialfeldern bestehen, die mit Sand, Kiessorten, Glassplitt, Rindenstücken oder Holzspänen befüllt sind und im Bereich des vorhandenen Tretbeckens angelegt wird. Für ihren Vorschlag, ein Tretbecken aus weitgehend naturbelassenen, heimischen Materialien zu installieren, wurde Frau Else Schnickenfittich (Kleinkleckersdorf) mit dem dritten Preis in Höhe von 100,– € ausgezeichnet. Das Tretbecken könnte mit einem Kiesbett versehen sein. Statt einem stählernen Handlauf sollte eine Konstruktion aus kleineren Baumstämmen installiert werden Eine Idee, zu der sie durch einen Urlaub in Südtirol inspiriert wurde. Die von den Preisträgern eingereichten Vorschläge werden nunmehr hinsichtlich der baulichen Realisierung bewertet um dann über eine Umsetzung im politischen Raum zu entscheiden.

Variante 2 (redigiert, 286 Wörter)

See-Tretbecken plus Wiese zum Tautreten, Barfußpfad im Kurpark und Tretbecken aus Naturmaterial – das sind die drei preisgekrönten Ideen für künftige Kneippanlagen in Kleinkleckersdorf. Zehn Beiträge waren in einem Ideenwettbewerb für Standorte und Gestaltung von Kneippanlagen in der Gemeinde eingegangen. Der Tourismusausschuss als Jury hat nun die drei besten ausgesucht und mit Geldpreisen belohnt. Die Gemeinde Kleinkleckersdorf hatte im Sommer 2013 zu dem Wettbewerb aufgerufen. Kleinkleckersdorfer und alle, die in der Gemeinde arbeiten, durften sich daran beteiligen. Bürgervorsteher Karl Napf, Bürgermeister Wilhelm Öttenpötter und Gemeindevertreter Nikolaus Fuchsenrieder in seiner Funktion als Vorsitzender des Tourismusausschusses ehrten jetzt die Preisträger. Der erste Preis in Höhe von 300 Euro wurde Bertrand Meisterjan zuerkannt für seinen Vorschlag, am Ufer der Seepromenade eine Kneipp-Anlage in Form eines Tretbeckens und einer Liegewiese zum Tautreten zu schaffen.  Bertrand Meisterjan kann sich aus seiner Kindheit noch gut daran erinnern, dass dort in den 1930-er Jahren eine Badeanstalt existierte, die nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen wurde. Mit der Idee, im Kurpark einen Barfußpfad anzulegen, holte sich Ernst-Erich Knall den zweiten Platz. Der ist mit 250 Euro dotiert. Der Fühlpfad soll aus Feldern bestehen, die mit Sand, unterschiedlichem Kies, Glassplit, Rindenstücken oder Holzspänen gefüllt sind. Der Pfad soll dort angelegt werden, wo jetzt im Kurpark das Tretbecken steht. Für seinen Vorschlag, ein Tretbecken aus naturbelassenen heimischen Materialien zu installieren, wurde Else Schnickenfittich mit dem dritten Preis in Höhe von 100 Euro ausgezeichnet. Das Tretbecken könnte mit einem Kiesbett versehen sein. Statt eines stählernen Handlaufs sollte eine Konstruktion aus kleineren Baumstämmen installiert werden. Eine Idee, zu der Schnickenfittich bei einem Urlaub in Südtirol inspiriert wurde. Alle Preisträger kommen aus Kleinkleckersdorf. Jetzt wird geprüft, ob sich die Vorschläge umsetzen lassen. Danach muss die Politik darüber entscheiden, welche von ihnen gebaut werden.

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