Ruhe! Heute ist der Tag gegen den Lärm

TgL2014_LogoDer 30. April ist der von der Deutschen Gesellschaft für Akustik ausgerufene Tag gegen den Lärm. Er steht in diesem Jahr unter dem Motto: „Die Ruhe weg“ und widmet sich speziell   der sogenannten Verlärmung der Umwelt. Dabei ist Lärm zweierlei: Krach, der ins Ohr dringt, und Lärm, der die Gedanken, die Seele, den Kopf verwirrt. Beide Arten finde ich gleich störend.

Ich stelle fest, dass ich mit zunehmendem Alter immer empfindlicher auf Lärm reagiere. Und das hat nichts mit dessen Lautstärke zu tun. Plötzliche laute Geräusche erschrecken, aber der fortwährende Lärmteppich vor unseren Ohren, das ist es, was auf Dauer sogar krank machen kann. Diese sogenannte Verlärmung (schreckliches Wort) der Umwelt. Es sind vor allem drei Lärmquellen, die mich quälen.

Autos:

Damit meine ich nicht den  Motorenlärm, den auch, aber vor allen Dingen stört es mich erheblich, wenn andere meinen, mich mit ihrer Musik beschallen zu müssen. Die wummernden Bässe auf vier Rädern sind es, die sich gerade jetzt mit Beginn der warmen Jahreszeit immer mehr in die Gehörgänge bohren. Diese Musik gefällt mir nicht. Warum müssen andere  mich damit zudröhnen? Zugegeben, es ist oft  nur ein kurzer Moment, an der Ampel oder im Vorbeifahren, aber muss das sein?

Supermarkt:

An die Muzak, die dauernde Hintergrundmusik, haben wir uns ja schon gewöhnt. Die lärmenden Privatradio-Sender beim Friseur und die angeblich beruhigende Kuschelklassik im Wartezimmer beim Arzt sind schon schlimm genug. Aber die aufdringlich in den Laden gepustete Werbung oder die solcherart verkündeten Sonderangebote im Supermarkt nerven inhaltlich wie vom Lärmpegel. Wie schön wäre ein Supermarkt, in dem nur die normalen Geräusche herrschen, aber keine Musik, keine Durchsagen. Discounter verzichten darauf, und so finde ich diese Unsitte in anderen Supermärkten umso störender.

Fernseher:

Ich mag fernsehen. Ich habe nichts gegen Fernseher. Aber ich habe etwas gegen Fernseher, die laufen, während Menschen sich unterhalten. Genauso wie ich etwas gegen das Radio habe, wenn es nur Hintergrundgeräusche abliefert. Wenn ich Fernsehen gucke oder Radio – auch Musik – höre, dann konzentriere ich mich auf das Gehörte. Dann kann und will ich nicht nebenbei mit halbem Ohr hinhören oder ständig das Gemurmel im Hintergrund haben. Ein besonderer Graus sind mir Menschen, die nicht den Fernseher abstellen, wenn ich zu ihnen zu Besuch komme. Sie werden  nur noch übertroffen von Leuten, die den Fernseher nicht nur nicht ab-, sondern auch nicht leiser stellen und ich im Gespräch dagegen anbrüllen muss. Da wäre es mir erheblich lieber, wenn sie sagen würden: Komm ein anderes mal wieder, ich möchte das zu gerne sehen.

Das sind meine drei ganz persönlichen Lärm-Störfeuer. Andere mögen andere haben. Wie Lärm definiert wird, steht in der Broschüre zum Tag gegen den Lärm.

Lärm ist unerwünschter, störender und belästigender Schall, der das körperliche, seelische und soziale Wohlbefinden der betroffenen Personen negativ beeinflussen kann, da z.B. diesprachliche Kommunikation, Freizeitaktivitäten, die Erholung oder die Gesundheit beeinträchtigt werden.

Eine gute Erklärung. Damit wird, und so steht es auch in der Broschüre, Lärm einerseits als physikalische Größe, andererseits als soziale Komponente definiert. Genau so empfinde ich es. Jeder Mensch hat ein anderes Lärmempfinden und kann je nach Tätigkeit oder Befinden mehr oder weniger Krach ertragen. Das wissen wir alle aus eigener Erfahrung: Sind wir genervt, müde, frustriert, dann ärgert uns die Fliege an der Wand, selbst wenn wir sie nur hören und nicht sehen. Sind wir bester Stimmung oder in Feierlaune, kann keine noch so laute Musik uns stören.

Viele Arten von Lärm können wir nicht beeinflussen. Das müssen andere tun. Arbeitsschutzbeauftragte, Umweltpolitiker, Akustiker. Einer der lautesten Orte, die ich je kennengelernt habe, war ein Gefängnis. Das Fehler jeder Art von Textilien, ob als Teppiche oder Vorhänge, macht jedes Geräusch zum Donnerhall. Jahrelang dort leben zu müssen, ist für mich unvorstellbar. Das sind Lärmquellen, auf die diejenigen, die sie ertragen müssen, keinen Einfluss haben. Zum Glück ist Lärmschutz an lauten Arbeitsplätzen inzwischen ein wichtiges Thema.

Jenseits von Arbeits- oder Gefängnislärm wünsche ich mir, dass die, die Lärm machen, mehr darüber nachdenken, ob sie damit andere stören. Ob es nun der junge Mann im Auto mit den wummernden Bässen ist, der Supermarktleiter oder die Menschen mit dem Fernseher. Denn ich bin mit Sicherheit nicht die einzige, die sich an diesem und vielem anderen vermeidbaren Lärm stört.

2 Kommentare

  1. Hallo Susanne!

    Ich sehe die ständige Beschallung auch sehr kritisch, genauso wie dich stört es mich, wenn ich immer und überall mit Lärm „zugedröhnt“ werde. Es gibt kaum noch ein Plätzchen der völligen Stille, vor allem in der Stadt wird man gerne mit Lautstärkepegeln jenseits der 80 dB beschallt. Dies kann jedoch auf Dauer gefährlich werden, ist man 8 Stunden diesem Lärmpegel ausgesetzt, benötigt das Gehör 16 Stunden „Ruhepause“ bei niedrigeren Pegeln – sonst kann ein dauerhafter Hörschaden entstehen. Besonders bei Jugendlichen ist dieses Phänomen heute sehr häufig zu beobachten, nicht zuletzt Dank der MP3-Player und I-Pods mit den beliebten In-Ear-Kopfhörer. Hier wird das Gehör oftmals mit viel zu hohen Lautstärken beschallt, da die Schallquelle so nah am Ohr ist, kann der Druck auch nicht wirklich abgefedert werden. Ich finde, es sollte eine bessere Aufklärung hinsichtlich der Gefahren von Lärm geben – schließlich wollen wir alle bis ins hohe Alter gut hören können, und nicht ständig unter Dauerstress (durch die Reizüberflutung) stehen!

    1. Liebe Claudia,
      Danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Das Thema Lärm hat viele Facetten. Die Verlärmung ist nur eine davon, wie Du richtig anmerkst. Ich höre auch Musik über In-Ear-Kopfhörer, aber nicht dauernd und nicht, wie ich es oft beobachte, als Dauerbeschallung in der U-Bahn oder beim Gang durch die Stadt. Damit schaffen sich die Leute zusätzlich zu den Gefahren fürs Gehör noch eine zweite Ebene der Umgebungsverlärmung. Das würde mich eher nerven als entspannen oder ablenken. Aber vielleicht bin ich auch zu empfindlich.
      Liebe Grüße, Susanne

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