Kein Rücktritt ohne Phrase

Kein Rücktritt ohne Phrase

Es ist gerade wieder Rücktrittzeit. In Frankreich ist die gesamte Regierung zurückgetreten, in Deutschland werden Rücktritte angekündigt (Berlin) oder erwartet (Kiel). Was uns zu den Rücktrittsphrasen führt.

Egal was den Rücktretenden zum Rückzug veranlasst, ob er freiwillig oder gezwungen geht, ein Satz fällt nach meiner Beobachtung fast immer: „Dieser Rücktritt verdient Respekt.“ Ohne diese Phrase ist ein Rücktritt kein richtiger Rücktritt. Auf eine andere Phrase hat mich einer meiner liebsten Sprachbeobachter und -kritiker hingewiesen:


Noch einmal zurück zum Respekt. Ich will meine These natürlich belegen und habe nach dem oben angeführten Satz gesucht. Und ihn gefunden. „Frau Schavan hat für ihren schnellen Rücktritt vom Amt der Bundesbildungsministerin meinen vollen Respekt“, sagte die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Wara Wende (parteilos) im Februar 2013. Eben jene Wara Wende, die sich jetzt massiven Rücktrittsforderungen ausgesetzt sieht. Vielleicht sagt bald jemand diesen Satz über sie. Leicht abgewandelt gibt es übrigens auch den Satz, der Rücktritt verdiene Hochachtung.

Tritt jemand zurück, ohne dass ihm ein Fehlverhalten angekreidet wird, lässt sich der Respekt noch steigern. Bundeskanzlerin Angela Merkel zollte dem zurückgetretenen deutschen Papst Benedikt XVI. für diesen Schritt den „allerhöchsten Respekt“. Bei Horst Köhlers Demission sagte sie: „Ich bedauere diesen Rücktritt auf das allerhärteste.“

Mit der Erklärung, er habe Schaden für die Bundeswehr abwenden wollte, trat 2009 der glücklose Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) als Arbeitsminister zurück – eingeholt vom vorherigen Amt. Der abzuwendende Schaden wird gern im Zusammenhang mit Rücktritten bemüht. Ich frage mich immer, ob damit nicht eher Schaden von der eigenen Person abgewendet werden soll. Wie kann man einem Amt, der Bundeswehr oder einer anderen Organisation schaden, wenn man nicht zurücktritt? Noch bezieht sich die Kritik, die zu Rücktritten führt, immer auf die Person, nicht die Institution.

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