In Sachen Markus Lanz: Eine Lanze brechen für mehr Anstand

Ich denke schnell, ich spreche schnell, ich schreibe schnell – manche meinen, dass ich schneller schreibe als denke. Ich mag schnell geführte Interviews, den Schlagabtausch zwischen Fragen und Antworten. Nichts nervt mich mehr, als Gespräche, die sich zäh hinziehen und den Zuhörer nicht mitreißen. Deshalb habe ich das Interview, das Markus Lanz mit Ralf Stegner geführt hat, sehr gut gefunden. Lanz hat flott gefragt und oft eingehakt, aber Stegner hat ihm genauso flott Paroli geboten und sich als ebenbürtiger Gesprächspartner erwiesen. Das liegt auch in der Persönlichkeit von Stegner begründet. Auch er denkt schnell und redet schnell.

Die Art von Markus Lanz aber ist jetzt vielen im Interview mit der Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht bitter aufgestoßen. Ich habe das Interview im Fernsehen nicht gesehen, ich habe nur Passagen davon in Blogs nachgelesen und mir jetzt das Video angeschaut. Das war keine Gesprächskultur, sondern eine Unkultur, die dort von Markus Lanz gepflegt wurde. Ich habe nichts gehen schnelle Fragen und schnelle Antworten, aber ich habe etwas gegen abgewürgte Antworten.

Das Interview und die Art von Markus Lanz haben viele empört. So sehr, dass jetzt sogar eine Online-Petition zu seiner Absetzung angestrengt wurde.

Ich finde, so etwas geht gar nicht. Der Anstand erfordert es, Kritik an der Sendung und am Moderator Lanz sachlich und fundiert vorzubringen. Man kann mit vielem nicht einvestanden sein, man kann die Absetzung der Sendung fordern, man kann um mehr Gesprächskultur bitten und dies auch begründen – aber bitte keine persönlichen Angriff und kein Internet-Pranger. Ich kann den Interview-Stil von Markus Lanz furchtbar finden, deshalb muss ich aber nicht den Menschen abqualifzieren. Zum Glück stehe ich mit meiner Meinung nicht alleine da.

Ich weiß nicht, wie viele die Petition unterschrieben haben, ohne die Sendung gesehen zu haben. Ich weiß nicht, wie viele Menschen ohne Nachzudenken und weil es gerade alle tun ihr Kreuzchen gemacht haben. Ich weiß aber, dass eine solche Petition kein Weg ist. Spätestens nach dem Sahra-Wagenknecht-Interview weiß jeder Gesprächspartner von Lanz, was ihn erwartet. Wer sich nicht dort hinein begeben will, der lehnt es einfach ab, in der Sendung zu Gast zu sein. Dann müssen Lanz und das ZDF reagieren. Das ist für mich der einzig richtige Weg. Und öffentliche Kritik, ja, die auch. Aber bitte keine Online-Petition gegen Menschen. Das ist unanständig.

Nachtrag:

Was  mich an der Sendung stört, ist weniger das permanente Nachhaken von Lanz. Das gehört sich so für Interviewer. Wir wollen alle keine weichgespülten Fragensteller, die in Wirklichkeit nur Stichwortgeber sind. Gerade das wird an Sonntagabend-Polittalks gerne und oft zu Recht kritisiert. Was mich stört ist, dass ich einer solchen Diskussion so schwer folgen kann, weil alle durcheinander reden. Dass nicht jede Frage das gelbe vom Ei sein kann, liegt in der Natur einer Livesendung. Lanz‘ Frage nach dem Verdienst einer Europaabgeordneten war tatsächlich überflüssig,

Ein Gedanke ist mir bisher in diesem Zusammenhang zu kurz gekommen: Egal wie das Interview geführt wurde, die Petition richtet sich hier nicht nur gegen den Stil, sondern auch gegen das permanente Nachhaken. Insofern ist die Petition auch ein Angriff auf die Pressefreiheit. Wer weiß, wer demnächst wegen bohrender Fragen noch per Petition angegangen wird? Das scheint Schule zu machen. Dass nun auch noch Journalisten diese Petition befördern, darüber hat Knut Kuckel auf journalisten-bloggen.de einen ausführlichen Beitrag geschrieben.

4 Kommentare

  1. Ich habe die Sendung gesehen, mich während der Sendung furchtbar über Lanz aufgeregt (und übrigens auch über Hans-Ulrich Jörges vom „stern“, der Wagenknecht testosterongesteuert unsachlich anging) – und die Petition selbstverständlich nicht unterschrieben. Als Mißtrauensvotum genügt mir völlig die Fernbedienung. Was allerdings schwer fällt, da der Moderator eine offenbar hervorragende Redaktion hinter sich hat, die immer wieder eine tolle Mischung bei den Gästen hinbekommt.

  2. Hi Susanne,

    am Beitragsende befindet sich eine Zahl. Handelt es sich hier um ein WP Plugin ? Hätte ich nämlich auch gerne :-) .

    Die Gesamtdauer des Videos beträgt knapp 39 Minuten. Angeschaut habe ich mir 12 Minuten, und ich kann beim besten Willen keinen Fehltritt von Markus Lanz erkennen. Er lässt ausreden und fragt nach. Ich wüsste jetzt auch nicht wo er Mist gebaut hat. Zumindest in den besagten 12 Minuten. Aber interessant sind die Gesichter der restlichen Gäste. Und immerhin erhält Wagenknecht bei Lanz mehr Redezeit als im Bundestag.

    Liebe Grüße

    Dieter

    1. Hallo Dieter, Du musst weiter hinten im Video gucken, da geht es mit dem Reden schon sehr durcheinander. Es ist schwer, dem Dialog überhaupt zu folgen.
      Die Zahl hinter dem Text nennt die Zahl der Aufrufe (nicht so ganz zuverlässig). Das Plugin dazu heißt Post View Count. Schöne Spielerei.
      Liebe Grüße,
      Susanne

  3. Moin Susanne,

    nun habe ich mir das Video komplett angeschaut, und sitze hier mit Fragezeichen vor der Stirn. Ich kann überhaupt nicht erkennen was Lanz verbrochen haben soll. Er hat Wagenknecht sogar noch Brücken gebaut damit diese nicht gänzlich daneben tritt. Und Lanz wollte keine Wischiwaschi-Antworten, sondern eine klare Meinung. Die bekam er aber nicht.

    Vielleicht fühlten sich nach der Talkshow politische Anhänger auf den Schlips getreten. Anders kann ich mir die Reaktion danach nicht erklären.

    Lieben Gruß

    Dieter

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