Roma-Musik bei Gräfin Mariza

Ich habe nichts gegen Paprikasoße und Paprikaschnitzel. Die müssen für mich nicht Zigeunerschnitzel und Zigeunersoße heißen, um zu schmecken. Ich kann zwar nicht ganz nachvollziehen, warum Sinti und Roma diese Umbenennung fordern, doch ich will diesem Wunsch gern folgen. Aber wie weit soll dessen Erfüllung gehen? Eine Frage, die sich nach dem N….-König aus Pipi Langstrumpf nun auch in der Musik auftut.

Gala-Abend der Eutiner Festspiele. Auf dem Programm steht unter anderem „Höre ich Zigeunergeigen“ aus der Operette „Gräfin Mariza“ von Emmerich Kálmán. Moderator Rainer Wulff kündigt das Stück an. „Hören Sie jetzt Musik der Roma.“ Der Mann, charmant, intelligent und geistreich, ist auf der Höhe der aktuellen Diskussion. Er spricht nicht von Zigeunern, sondern von Roma, und so wie ich ihn kenne, hat er genau recherchiert, dass es tatsächlich Roma sind und in diesem Zusammenhang nicht der Begriff Sinti angebracht ist.

Nun lässt sich in der Moderation leicht auf ein Wort verzichten, von dem sich andere Menschen verletzt fühlen. Aber wie sieht es mit dem Text der Arie aus. Texte zur Musik umzudichten, ist nicht ganz einfach. Nehmen wir einmal das genannte Beispiel. „Höre ich Roma-Geigen“ hat eine Silbe weniger als das Wort Zigeuner-Geigen. Wohin also mit der dazugehörigen Note. Oder anders gefragt: Wo lässt sich in diese kurze Zeile noch ein Silbe einfügen, ohne das das Ro von Roma auf unbetonter Zeit im Takt gesungen wird. Denn auch das will bei Musik bedacht werden. Höre ich die Roma-Geigen“ würde zwar von der Anzahl der Silben funktionieren, aber die erste Silbe von Roma träfe auf unbetonte Zeit. Die zusätzliche Silbe müsste also hinter dem Wort Roma eingefügt werden. „Höre ich Roma-Geigenmusik“ funktioniert nicht, das hat wiederum eine Silbe zu viel. Eine andere Idee habe ich leider nicht.

Es ist also leicht, beleidigende, rassistische oder herabsetzende Bezeichnungen für Menschen aus Texten herauszunehmen und durch bessere zu ersetzen. Mal abgesehen von der heftigen Debatte, ob man das tun sollte oder nicht, ist es kein Problem. In Liedtexten, Opernarien und Operettenschlagern – übrigens auch in Lyrik, denn auch die hat eine Melodie – finden sich aber zuhauf solche Wörter, die sich nicht so einfach austauchen lassen. Denken wir nur an den Monostatos aus der Zauberflöte, ein Mohr, der sich unbotmäßig der schönen, weißen Tamina nähert, die vor Angst erstarrt. Librettist Emanuel Schikaneder hat Monostatos aber einen Text geschrieben, in dem die ganze Bitterkeit der rassistischen Schmähung deutlich wird.

„Und ich sollt die Liebe meiden, weil ein Schwarzer hässlich ist.“

Was also tun mit Operntexten? Sogar beim Titel wird es schwierig. Was machen wir mit der Operette „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauss? Soll sie zukünftig als „Der Romabaron“ auf die Bühne kommen?

Ein Kommentar

  1. Klingt interessant, auch wenns absolut nicht meine Richtung ist, habe ich es mir komplett angehört :)
    Man muss offen für alles sein.

    Grüße Yvonne

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