Ich bin eine Karteileiche

Ich bin eine Karteileiche

Ehrlich gesagt, für eine Leiche fühle ich mich ziemlich lebendig. Ich habe einen Zehn-Stunden-und-mehr-Job, der viel Spaß macht, eine Familie, die meine Aufmerksamkeit erfordert, dieses Blog hier, das regelmäßig bestückt werden will, ein paar Hobbys und viele, viele Interessen. Ich lese leidenschaftlich gerne, interessiere mich für viele Dinge, mag den Kontakt mit anderen Leuten und lasse mich schnell für Neues begeistern. Seit es das Internet gibt, hat sich mein Horizont noch erheblich erweitert. Das Angebot an interessanten Texten, Foren, Seiten ist grenzenlos. Und genau das ist das Problem.

Als begeisterte Leserin sind meine Wände mit Büchern tapeziert. Ganz unten in den Regalen stapeln sich Zeitschriften. Lauter gut gemachte Exemplare mit wunderbaren Texten. Nichts, von dem ich mich leicht trennen würde. Genauso wenig wie von den mir ans Herz gewachsenen Büchern, CDs, Hörbüchern. Dann ist da noch das Smartphone, das Tablet, der Rechner auf dem heimischen Schreibtisch, das Radio, der Fernseher (inzwischen ein wenig genutztes Gerät), ach ja, und die Treffen mit netten oder interessanten Leuten. Dumm nur, dass der Tag nur 24 Stunden hat. Und so bleibt es nicht aus, dass ich an der einen oder anderen Stelle im Netz doch zur Karteileiche mutiert bin. Und selbst Karteileichen sammele.

Erst einmal zum eigenen Karteileichen-Dasein. Ich habe mich im Laufe meiner Internet-Karriere bei dem einen oder anderen Forum angemeldet. Ich habe hier und da etwas dort niedergeschrieben, habe mir anderer Leute Texte angesehen, aber ich bin nie ein Forenjunkie gewesen. Es gab nicht ein einziges Forum, bei dem ich es auf mehr als zehn oder 20 oder 30 Einträge gebracht hätte. Auch wenn mancher es nicht glauben mag: Ich muss nicht zu jedem Thema meinen Senf dazugeben. Aber das größere Problem ist, dass ich gar nicht die Zeit habe, um jeden Beitrag zu verfolgen, jede neue Antwort auf eine Frage zu lesen oder jedes neue Thema zu durchdenken oder auch nur einfach zur Kenntnis zu nehmen. Und so kommt es, dass ich in diversen Foren, aber auch bei Online-Shops oder Newslettern – mehr wegklickt als durchgelesen – zur Karteileiche geworden bin. Ich weiß nicht, wie viele interessante Themen oder Fragen an mir vorbeigerauscht sind, und ich habe auch keine Zeit und keine Lust, darüber nachzudenken. Aber ich habe mir fest vorgenommen, in einer stillen Stunde mal den Zettel mit den Passwörtern und die Lesezeichenliste durchzugehen und Accounts zu kündigen. Allerdings ist noch fraglich, wann und ob diese stille Stunde jemals kommt.

Die von mir selbst verschuldeten Karteileichen sind Texte, die ich gesammelt habe, um sie irgendwann in Ruhe zu lesen. Wenn ich mal Zeit habe. Dumm nur: Ich habe nie Zeit. Ich komme ja nicht einmal mehr dazu, Bücher zu lesen. Und nun sammeln sich die ungelesenen Texte auch noch im Feedreader oder auf dem Rechner.

Ich verliere den Überblick. Ich fühle mich unzulänglich, dass ich das alles nicht packe. Ich warte nur noch darauf, dass ich irgendwo wegen Inaktivität vor die Tür gesetzt werde. Aber ich kann es nicht ändern. Die Speicherkapazität im Kopf ist begrenzt, die Aufnahmefähigkeit ebenso, und so muss irgendetwas aus dem Blick und aus dem Sinn verschwinden. Davon geht die Welt nicht unter und werde nicht dümmer. Aber es ärgert mich doch.

Hallo ihr Internetten da draußen: Wie schafft Ihr es, die Informationsflut einzudämmen? Seid Ihr auch Karteileichen? Habt Ihr welche? Kennt Ihr einen Trick, den ich kennen sollte, um dieser Flut an Informationen Herr zu werden?

Ich bin eine Karteileiche

2 Kommentare

  1. Einfach akzeptieren, daß man immer mal irgendwo Karteileiche ist… ich möchte auch weiterhin Blogs abonniert haben, nur um deren Verfassern zu signalisieren: Ich habe die regelmäßige Option mitzulesen – und bei darbenden Plattformen schreibe ich auch gerne ein Sorry rein, zusammen mit der Info, wo man mich wirklich finden kann

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