Gratis-Fotomotiv als milde Gabe

Wer regelmäßig im Netz unterwegs ist, stößt gerade bei Berichten von Künstlern oder anderen Kreativen immer wieder auf dieselbe Geschichte. Sie sollen irgendwo auftreten, in einem Restaurant oder eine Bar oder bei einer Veranstaltung, aber bitte für lau. Zahlen wollen diejenigen, die das Engagement aussprechen, nicht. Sie sollen Texte schreiben oder Fotos machen oder Webseiten optimieren oder was auch immer. Aber bitte gratis. „Das ist doch Werbung für dich“, lautet immer wieder das Argument für solche unlauteren Offerten. Gerade erst hat mich ein Geschäftsführer einer großen Firma gefragt, ob er die Fotos, die ich für die Zeitung gemacht habe, für die konzerneigene Mitarbeiterzeitschrift haben könne. Auf meinen Hinweis, die seien dann aber honorarpflichtig, wurde der Mann ganz schmallippig. Die tollste Geschichte dieser Art habe ich aber vor einigen Jahren erlebt. Das war der einzige Termin in meiner Laufbahn, den ich beinahe vor Ort hätte platzen lassen.

panker

Ein Gestüt im Frühsommer, edle Pferde, blühende Bäume, Fohlen auf den Weiden. Das verspricht eine wunderbare Geschichte mit ebenso wunderbaren Fotos zu werden. Am Anfang steht das Gespräch mit dem Gestütsleiter. Der berichtet, gezüchtet würden Trakehner, und deren Namen begännen alle mit dem Buchstaben T., abgeleitet von der Stammmutter der Trakehner im Westen, die Tempeltänzerin hieß. Dann geht es ans Fotografieren. Ein Pferd muss her. Eine der Pferdewirtinnen des Gestüts holt einen großen Wallach aus der Box, beginnt ihn zu striegeln und zu bürsten, legt Zaumzeug und Sattel an. Frage an den Gestütsleiter: „Wie hießt dieses Pferd?“ Anwort: „W….“ „Wie W….? Ich denke, die Namen fangen alle mit T an.“ Die Anwort lässt mich mit offenem Mund dastehen. „Das ist ja kein Trakehner, das ist mein Privatpferd, von dem hätte ich gerne Fotos.“ „Aber wir machen doch eine Geschichte über Trakehner.“ „Ach, das merkt sowieso keiner.“ Wie sich im weiteren Gespräch herausstellt, braucht der Mann für Veröffentlichungen mal wieder neue Fotos von seinem eigenen Pferd. Da kommt der Besuch des Profifotografen von der Zeitung gerade recht. Das macht der Gestütsleiter dann auch schnell deutlich. „Ich kriege doch eine CD mit den Bildern, oder? Für meine Homepage und für alles, wofür ich sie brauche.“

Da wird es dem Fotografen doch zu viel. „Gerne“, kontert er, und: „Die Rechnung lege ich bei.“ Schließlich lebt der Mann davon, Fotos zu verkaufen. Das ist sein Beruf. Da wird der Herr Gestütsleiter erst etwas mürrisch und schlägt dann zurück: „Also wissen Sie! Ich biete Ihnen hier kostenlos gute Motive, da können Sie ja wohl auch mal etwas für mich machen.“ Die Debatte wogt eine Weile hin und her, bis ich mich entschließe zu gehen. Jetzt gleich. Das signalisiere ich dem Fotografen, der ebenfalls deutlich ungehalten wird. Erst da lenkt der Mann ein. Er zeigt dann noch Pferde, die mit T beginnen, also echte Trakehner. Es war dann doch noch ein ganz gelungener und erfolgreicher Termin. Nur nach der CD hat der Mann noch Wochen später mehrere Male gefragt. Ich dachte bis dahin, Fotografen bekommen Geld für Fotos. Dass sie Geld bezahlen sollen, um Motive nutzen zu können, war mir neu.

Also so etwas ist mir noch nie passiert. Ich bin seit 34 Jahren als Reporterin unterwegs und immer haben sich die Leute gefreut, wenn sich die von der Zeitung angesagt haben. Vor allem natürlich wenn es Leute waren, die sich davon Werbung für ihr Geschäft versprochen haben. Manche Menschen sind von Herzen freundlich und freigiebige Gastgeber, wie die Bauernfamilie, bei der ich gerade war. Die kredenzte ungefragt Kaffee, Erdbeeren und Vanilleeis. Aber auch sonst gab es kaum jemals Probleme damit, wenn wir für ein gutes Foto irgendetwas umstellen, arrangieren mussten oder etwas vorgeführt haben wollten. Dass jemand es aber als Entgegenkommen ansieht, wenn sein Was-auch-immer fotografiert werden soll und er im Hinterkopf hat, dass sich für solcherlei Motive doch Geld nehmen ließen, auf diese Idee bin ich bisher nicht gekommen. Und schon gar nicht, wenn wie gesagt damit indirekt Werbung verbunden ist. Ein Gestüt züchtet seine Pferde nicht zum eigenen Vergnügen, sondern zum Verkauf.

So ungewöhnlich die Geschichte vom Gestüt ist, so gut passt sie ins Bild. Vor allem, seit es Digitalfotografie gibt und Fotos schnell mal per Mail verschickt sind. Die Anfragen häufen sich, gerne werden die Bilder für Homepages oder Prospekte angefordert. Nur aufs Geld sollte die Rede möglichst nicht kommen. Das bisschen Knipsen . . .

Treffender als in diesem Video kann man es kaum auf den Punkt bringen:

Ungerne höre ich auch Argumente wie „Das kannst Du doch mal für uns machen, wir kennen uns doch“ oder „Das ist doch eine Ehre, dass Du das für uns machen darfst“. Oder auch: „Du machst doch bestimmt Fotos für uns, oder?“ Beliebt sind auch die Leute, die mich auf Festen oder beim sonntäglichen Spazierengehen ansprechen: „Ich hätte da mal was für die Zeitung . . .“ Tja, liebe Leute, und ich habe frei.

Einen sehr schönen Text zum Thema habe ich hier gefunden.

3 Kommentare

    1. Hallo Henning,
      ja, es ist leider so, und als Fotograf oder Schreiber erlebt man immer wieder die tollsten Sachen, mit denen man nicht gerechnet hat. Ich mache ja auch mal Fotos für lau, wenn es im privaten Kreis ist. Aber alles, was kommerziell genutzt wird, muss gefälligst auch bezahlt werden. Schon um die Preise nicht zu verderben. Da sollten alle Kreativen zusammenstehen und konsequent sein.
      LG, Susanne

  1. Hallo Susanne,

    du sprichst mir aus meiner FotografenSeele :D
    Ich selbst (als kommerzieller Profifotograf) merke am eigenen Leib wie oft man versucht mich umsonst arbeiten zu lassen.
    Viele nehmen den Job einfach nicht ernst und wissen garnicht wie viel Aufwand letztendlich dahinter steckt.
    Jaja man hats schon nicht leicht :D

    Lg Jens

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