Eine „dringende“ Bitte: Weg mit Ironie-Tüddelchen

Wer viel liest, kennt sie, die Stolpersteine in Texten. Ich habe mich hier schon hinreichend über Deppenzeichen ausgelassen, die den Lesefluss stören und mich mitunter zur Weißglut treiben. Aber es gibt noch ein Zeichen, das mich ärgert: die Ironie-Tüddelchen. Mancher Text strotzt förmlich davon, so dass mir das Lesen gar keinen Spaß mehr macht.

Die "Post"-Kasse ist tatsächlich die Postkasse. Warum also die Gänsefüßchen?
Die „Post“-Kasse ist tatsächlich die Postkasse. Warum also die Gänsefüßchen?

Anführungszeichen sind richtig und wichtig. Sie kennzeichnen Zitate. Das ist ihre ureigenste Aufgabe. Um Herrn Duden zu zitieren: „Anführungszeichen stehen vor und hinter wörtlich wiedergegebenen Äußerungen und Gedanken (direkter Rede) sowie wörtlich wiedergegebenen Textstellen (Zitaten).“ So ist’s recht und so liest es sich gut. Darauf sind alle Leser konditioniert. Wer etwas zitiert, setzt Gänsefüßchen, das halte auch ich so und damit habe ich überhaupt kein Problem.

Noch in einem anderen Zusammenhang lässt der Duden Anführungszeichen zu: zur Hervorhebung. Dazu gehören laut Duden auch ironische Hervorhebungen. Und da setzt mein Einspruch ein. Nichts gegen Ironietüddelchen, wenn sie äußerst, ich betont äußerst sparsam eingesetzt werden. Denn nichts ist schlimmer, als in jedem zweiten Satz ein solches Ironietüddelchen lesen zu müssen. Warum, frage ich mich immer, setzt der Autor dann nicht gleich das richtige Wort ein. Ich halte immer unwillkürlich inne, wenn mir diese Ironie-Anführungsstriche in einem Text unter die Augen kommen.

Ein paar Beispiele aus Mails und Texten, die wirklich so vorgekommen sind:

„Volles Haus“ beim Vortrag von …

Ja, was denn nun? Wirklich ein volles Haus, oder ist hier Ironie gemeint? Dann soll der Autor doch schreiben, dass es gähnend leer war.

Mittels einer Säge „rettet“ der Baumsachverständige alte Buchen.

Rettet er sie nun oder gibt er ihnen mit der Säge den Rest? Wenn er sie vernichtet, weil ja irgendwie Ironie, dann müsste man schreiben, er killt sie. Rettet er sie wirklich, warum steht das dann mit Gänsefüßchen geschrieben?

Ich bitte um Ihre „wohlwollende“ Unterstützung.

Warum, bitte schön, steht das wohlwollende hier in Gänsefüßchen?

Es lohnt es sich, den Kleiderschrank auszumisten und Platz für “neue” Klamotten zu machen.

Alte Klamotten statt alter Klamotten oder doch lieber neue? Wenn ja, und davon gehe ich aus, warum steht das dort nicht?

Viel mehr schöne Beispiele gibt es auf dieser englischsprachigen Seite. Sie beweist auch, dass die unnötige Tüdelei kein deutsches Problem ist.

Ich wünsche mir, dass die Gänse ihre Füßchen ein bisschen mehr bei sich behalten und das Getüddel sparsam eingesetzt wird. Oder eben nur bei Zitaten. Bitte, bitte.

„Die Existenz von Anführungszeichen ist kein Freibrief für unpassende und schlechte Formulierungen, welche die Sache nicht auf den Punkt bringen!“ Ein treffendes Zitat, das ich in dieser wunderbaren Anleitung für den Gebrauch von Anführungszeichen gefunden habe.

4 Kommentare

  1. Auch wenn ich nicht garantieren kann, nicht auch schon mal Anführungsstriche an falscher Stelle gesetzt zu haben, so gebe ich Dir hier absolut recht. Falsche Interpunktion ist einfach verwirrend und das trifft nicht nur bei Anführungszeichen, sondern bei schon ganz simplen Sätzen zu, die dank fehlendem Komma eine ganz andere Bedeutung bekommen.

    @Hannah: Ich ärgere mich schon eh und je darüber, dass am PC ein Anführungszeichen unten nicht existiert, da fällt es mir schwer mich über welche zu ärgern, die nur unten sitzen. Vielmehr wüsste ich gern wie ich das ohne zwei Kommas hin bekommen kann. :-)

    1. Stimmt, es ist schon sehr ärgerlich, dass ein PC und übrigens auch WP keine Anführungszeichen unten kann. Zumindest weiß ich nicht, wie es geht. Vielleicht gibt es einen Trick, den wüsste ich gerne.

  2. Zumindest in OpenOffice/LibreOffice gibt’s smart quotes (bei den Auto-Korrektur-Optionen einstellbar). Würd ich mal denken, dass zumindest heute gängige andere Textverarbeitungen das auch können sollten.

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