Bloggen in Gendersprache? Nicht bei mir.

Bloggen in Gendersprache? Nicht bei mir.

Sollten Blogger und Autoren auf gendergerechte Sprache achten? Diese Frage stellt Martin auf seinem Blog „1001 Erfolgs-Geheimnisse“ und ruft zur Blogparade auf. Ich habe viel zum Thema Gendersprache gelesen und hier und hier auch schon darüber geschrieben. Zu Martins Frage habe ich mir meine Gedanken gemacht. Die werden nicht jedem – mit Betonung auf jedem – gefallen.

Schließen sich die bei Journalisten so oft bemühte „gute Schreibe“ und Gendersprache aus? Ja, unbedingt. Gute Schreibe ist etwas, dessen sich auch Blogger bedienen sollten, schließlich geht es nicht nur um Inhalte, sondern auch um eine gute Verpackung. Nur gut lesbare Texte werden auch gelesen, und wir Schreiber sind Diener unserer Leser. Nicht Diener irgendeiner wenn auch noch so guten Sache.

Verfechter der Gendersprache verweisen gerne darauf, dass die Sprache das Bewusstsein schafft. Da ist etwas dran, das Argument ist nicht von der Hand zu weisen. Das heißt aber nicht, dass Texte durch das Binnen-I oder die Form „Schülerinnen und Schüler“ verhunzt werden müssen. Gerade wenn solche Konstruktionen gehäuft vorkommen, zerschlagen sie jeden Text. Wer gut und kreativ schreibt, kann in vielen Fällen solche Konstruktionen umschiffen. Ein Beispiel aus meiner heutigen Redaktionspraxis. Es geht um ein Projekt „Eltern auf Probe – Hilfe mein Baby schreit“. Ein Schule gibt Schülern der 8. und 9. Klasse Computer-Babypuppen, die sich wie richtige Babys verhalten, schreien und um die sich die Jugendlichen kümmern müssen. Durchaus ein Thema, bei dem es wichtig ist, ob hier Jungen oder Mädchen gemeint sind, wenn von Schülern die Rede ist. Die Schule schickt eine Pressemitteilung, sie schreibt:

Sieben Schülerinnen und Schüler der 8. und 9. Klasse (drei Mädchen und vier Jungen) nahmen an dem Projekt teil.

Hier ist sie wieder, die von mir ungeliebte und umständliche Form „Schülerinnen und Schüler“. Dabei wäre das Problem diesmal ganz leicht zu lösen. In der Zeitung wird stehen:

Drei Mädchen und vier Jungen der 8. und 9. Klasse nahmen an dem Projekt teil.

Kürzer, lesbarer, und trotzdem ist hier klar, dass Schüler und Schülerinnen gemeint sind. Mit etwas Nachdenken lassen sich krause Klemmkonstruktionen oder aufgeblähte Aufzählungen also vermeiden.

Leider ist es oft nicht ganz so einfach. Wer zählt schon durch und schreibt von 1251 Männern und 1367 Frauen, die bei der Kommunalwahl in der Gemeinde Musterdorf zur Wahl aufgerufen sind. Da nehmen Verwaltungen doch lieber eine unbestimmte Zahl und schreiben von Wählerinnen und Wählern. Die sind nämlich dazu verpflichtet, immer beides zu nennen, und so kommen manchmal wirklich schwer lesbare Sätze zustande. Aus aktuellem Anlass – hier laufen gerade die konstituierenden Sitzungen der neuen Stadt- und Gemeindevertretungen – zitiere ich ein Beispiel aus der Schleswig-Holsteinischen Gemeindeordnung:

Die Gemeindevertretung wählt aus ihrer Mitte ihre Vorsitzende oder ihren Vorsitzenden und deren oder dessen Stellvertretende. Die Wahl der oder des Vorsitzenden in der ersten Sitzung nach Beginn der Wahlzeit leitet das älteste Mitglied, die Wahl der Stellvertretenden leitet die oder der Vorsitzende. Scheidet die oder der Vorsitzende aus, leitet die Stellvertreterin oder der Stellvertreter die Wahl der oder des neuen Vorsitzenden. Die Stellvertretenden vertreten die Vorsitzende oder den Vorsitzenden im Fall der Verhinderung in der Reihenfolge ihrer Wahl. Ein Ausscheiden der oder des Vorsitzenden oder einer oder eines Stellvertretenden während der Wahlzeit gilt bis zur Wahl der Nachfolgerin oder des Nachfolgers, längstens für die Dauer von fünf Monaten, als Verhinderung.

Das will ich meinen Lesern (und natürlich den Leserinnen) nicht zumuten. Deshalb gibt es weder in meinen Zeitungsartikeln noch in meinen Blogtexten Gendersprache. Wer genau hinschaut, wird in kaum einem Medium die Genderformen finden. Deshalb kann ich auf die Frage von  Martin nur sagen: Nein, Blogger sollten, genauso wie alle anderen Autoren, nicht in Gendersprache schreiben.

Ich glaube, dass die Debatte kleiner ist, als viele aufgeregte Kommentare vermuten lassen. Die Diskussion ist eher akademischer Art und eine, die vor allem in akademischen Kreisen, also an den Unis, geführt wird. Erst durch die Entscheidung der Uni Leipzig, ihre Grundordnung ins generische Femininum zu übersetzen, ist sie hinaus in die Allgemeinheit geschwappt. Und wird seitdem heftig diskutiert. Im Alltag außerhalb von Unis und Behörden – die kraft Verordnung zur Gendersprache verpflichtet sind – spielt die Frage eine eher untergeordnete Rolle.

Dass Sprache Bewusstsein formt, ist unbestritten. Und doch plädiere ich für das generische Maskulinum, wenn der Inhalt eines Textes nicht explizit die Unterscheidung zwischen Frauen und Männern verlangt oder sich – siehe Beispiel oben von der Schule – beide Geschlechter nicht elegant nennen lassen. Das Argument, Frauen müssten beim generischen Maskulinum immer überlegen, ob sie mitgemeint sein, lasse ich als Frau nicht gelten. Denn darüber denke ich nie nach. Ich fühle mich einfach mitgemeint.

Bloggen in Gendersprache? Nicht bei mir.

3 Kommentare

  1. Hallo Susanne,

    das Beispiel der Gemeindeordnung ist echt heftig. Ich musste nach der vierten Zeile aufhören. Das hält man ja nicht aus.. grausig

    Danke für deine Teilnahme an der Blogparade :)

    Liebe Grüße
    Martin

  2. Grossartig!

    Besonders das Umschiffen (auch meine Art, genau das näher zu beschreiben, was ich beschreiben will) zeigt, wie wenig es Streit bedarf. Die Sprache hat den eindeutigen Unterschied Mann, Frau, Mädchen, Junge parat.

    Mal abgesehen von der Unsinngkeit der militant anmutenden Genderei – bis hin zum „Herr Professorin“, ist es nmM erstaunlich, mit wie wenig Selbstbewusstsein die Frauen ausgestattet sein müssen, die sich nur angesprochen fühlen, wenn ein „-in“ sie bestätigt.

    Die Menschen – reicht mir- ich bin einbezogen, wenn es um Menschen geht und meine ich, übersehen worden zu sein, schaue ich näher, ob es mich etwas angeht.

    Geht es mich- meiner Meinung nach- etwas an, sag ich was- auch ohne das „-in“.

    Zum Schweigen bringt sich jeder selbst. (Hier mal extra erwähnt- jede auch- oder heisst das nun jedin?)

    Also danke für den Blogbeitrag
    bin begeistert

    charlotte
    (ACR)

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