Blähdeutsch zur Bedenkung gegeben

Ich muss hier mal wieder lästern. Über schlechtes Deutsch. Mich ärgert kaum etwas mehr als ungeschliffene, gedankenlose oder schlampige Sprache. Besonders ärgerlich finde ich es, wenn einfache Begriffe aufgebläht und schlichte Sätze ausufernd formuliert werden. Der von mir sehr verehrte Sprachpapst Wolf Schneider hat dafür den Begriff des modischen Blähwortes geprägt. Kräftig aufgebläht werden aber auch Sätze, vor allem von der öffentlichen Verwaltung. Beispiele gefällig? Hier kommt ein kurzer Exkurs durch das tägliche Bläh-Bläh-Bläh.

Zunächst die Wörter: Keine hohe Kunst, sondern ziemlich weit verbreitet ist die Unsitte, aus wenigen Silben viele zu machen. Räume heißen heutzutage Räumlichkeiten, Feiern Feierlichkeiten und Begriffe Begrifflichkeiten. Pläne heißen Planungen, Regeln Regelungen und die Zeit wird gerne zum Zeitraum gemacht. Früh wird zu frühzeitig, Vordrucke werden zu Formvordrucken. Der Kreativität sind keine Grenzräume gesetzt.

Das funktioniert aber auch mit ganzen Sätzen. Theaterstücke werden nicht aufgeführt, sondern kommen zur Aufführung oder gelangen zur Aufführung. Konzerte werden nicht gegeben, sondern zu Gehör gebracht. Meine Lieblings-Hass-Sätze sind diese beiden:

Eine telefonische Erreichbarkeit ist nicht gegeben.

Die Ergebnisse sollen Berücksichtigung finden.

Und dann war da noch die Verwaltung, die mitteilen wollte, dass sie alles tun wolle, damit Schüler eine gut ausgestattete Schule besuchen können.

Wir wollen möglichst optimale infrastrukturelle Rahmenbedingungen für den Bereich unseres Schulwesens schaffen.

Das ist doch nicht mehr zu übertreffen, oder?

Die bayerische Staatskanzlei hat übrigens eine Broschüre mit dem Titel „Freundlich, korrekt und klar – bürgernahe Sprache in der Verwaltung“ herausgegeben. Zitat daraus:

Es ist ein hoher Anspruch, all diesen Zielsetzungen gerecht zu werden.

Immerhin erklärt der Leitfaden, wie die schönen Blähwörter Fragestellung, Aufgabenstellung, Zahlungsleistung und Eignungsfeststellungsverfahren viel kürzer und verständlicher zu formulieren sind: Frage, Aufgabe, Zahlung und Eignungsprüfung.

Wer lernen will, über Schwieriges einfach zu schreiben, dem sei das gleichnamige E-Book von Ingrid Glomp ans Herz gelegt. An vielen Beispielen zeigt sie eindrucksvoll, wie einfach es ist, kompliziertes schlicht und verständlich auszudrücken.

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