Ich will nicht fotografiert werden!

Stell Dir vor, Du machst ein Foto von einem Platz mit 2000 Konzertgästen, und einer meckert. Er will nicht fotografiert werden. Sitzt in der ersten Reihe, hält einen Zigarillo in der Hand, genießt die Freiluftatmosphäre, aber will partout nicht auf einem Foto mit drauf sein. „Du darfst hier nicht fotografieren“, fährt er mich an. So etwas habe ich bisher nicht erlebt, aber es ist symptomatisch. Ich fürchte, das wird es immer öfter geben. Das ist Zeitgeist.

Wir sind hier in unserer Region außerhalb der ganz großen Großstädte in einer einigermaßen komfortablen Lage, was Zeitungsfotos angeht. Die Leute freuen sich noch, wenn sie in die Zeitung kommen. Die allermeisten haben nichts dagegen, fotografiert zu werden. Gerade viele Eltern freuen sich sehr, wenn ihre Kinder auf Zeitungsfotos erscheinen. Einfaches Fragen reicht allemal, um das Einverständnis zu bekommen. Und doch schwappt etwas von der großen Empfindlichkeit hinsichtlich von Fotos langsam auch in die Provinz über. So wie heute, als der Mann in der ersten Reihe des Konzertes partout nicht fotografiert werden wollte. Er frage nicht, wofür ich überhaupt fotografiere. Er war jedem Argument unzugänglich, auch dem, dass ich ein Weitwinkel auf der Kamera hatte und nur die Masse draufbekommen wollte. Er wäre eh nur der Fliegendreck vorne links auf dem Foto geworden. Ich wollte es ihm auf dem Display zeigen, aber auch dafür war er völlig unzugänglich. Stattdessen hielt er sich eisern die Hand vors Gesicht und fuhr mich mehrfach an, das Fotografieren zu unterlassen. Ich dürfe das nicht. Ich durfte sehr wohl. Es ist der klassische Fall gewesen, bei dem ich kein Einverständnis gebraucht habe. Großveranstaltung unter freiem Himmel, ohne Eintritt, einfach so auf einem öffentlichen Platz. Genau der Ausnahmefall, bei dem es keinem Fotografen zugemutet werden kann, jeden Einzelnen nach seinem Einverständnis zu fragen, wie die Rechtsanwälte Bauersfeld & Partner hier dargelegt haben.

Der Mann gibt aber keine Ruhe. Nun, von ihm hängt das Foto nicht ab, ich räume um des lieben Friedens willen das Feld. Nicht ohne ihm vorher noch mit auf den Weg zu geben, dass er mir das Fotografieren in diesem Fall nicht verbieten kann. Genützt hat es nichts.

Ich habe dann doch noch einen Fan gefunden, der nichts dagegen hatte, groß im Foto zu erscheinen. Wie bei Zeitungsbildern üblich, habe ich ihn natürlich nach seinem Namen gefragt. „Namen sind Nachrichten“, lautet ein alter Zeitungsspruch. Und dann kam das, was mir in letzter Zeit öfter passiert. Er nannte nur seinen Vornamen. Das reiche, mehr wolle er nicht. Auch das ist neu, kommt aber inzwischen immer öfter vor, gerade erst zwei Mal innerhalb von drei Tagen. Normalerweise schreiben wir bei Kindern nur den Vornamen unters Bild, bei Fünfjährigen spielt der Nachname noch keine so große Rolle. Bei Erwachsenen ist es völlig unüblich. Aber offenbar immer öfter gewollt. Na gut, wenn es denn so sein soll. Ich mache keinen großen Aufstand deswegen, dann sollen die Leute eben nur mit ihren Vornamen in der Zeitung erscheinen. So lange sie mit einem Foto einverstanden sind, soll’s mir recht sein.

Alle FAQ zum Fotorecht gibt es übrigens hier.
Ausführlich über das Recht am Bild berichtet die gleichnamige Seite rechtamtbild.de

3 Kommentare

  1. Oooch, da hätte ich listiger reagiert.

    „Ich will ihnen das fotofieren nicht verbieten, bitte warten sie ein Sekündchen, bis ich DIESE Zeitung vor meinem Gesicht positioniert habe. Damit der Zuckermann von Fakebook mich nicht Gesichtsscannen kann.“

    ———

    „Fertig, los geht´s.“

    PS: Nachnamen würd´ich dir privat schon sagen, aber für die Zeitung auch nicht, obwohl ich mit fast 61 ein wenig älter als o.a. Kind bin. Ob das nun unüblich ist, juckt mich recht wenig.

    1. JürgenHugo, auch ich versuche so gut es geht unerkannt durchs Internet zu huschen! :D
      Heutzutage landet man doch gleich in irgendeiner Auflistung auf Google, Facebook & Co. Muss nun wirklich nicht sein.
      So und jetzt hast auch deinen gewünschten Kommentar! ;)
      Gruß, Alex

      1. Leiiider war das „ein Schuß in den Ofen“ – das du den Comment geschrieben hast, habe´ich nur über die Benachrichtigungsmail von DEINEM Blog erfahren, da hast du das ja angekündigt.

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