Dinge, die die Welt nicht braucht

Sie liegen gern als Beilage in landlustigen Zeitschriften oder Heften über schöneres Wohnen: kleine Kataloge, die das Beste aus den Tiefen eines Versandhandels-Lagers anpreisen, um den Leser, besser die Leserin zum Bestellen eines Artikels und gleich noch des großen Kataloges zu bewegen. Ein Streifzug durch die Welt der Dinge, die die Welt nicht braucht.

„Neues & Nützliches“ ist das kleine Büchlein überschrieben, das uns just ins Haus flatterte und mir vor Augen führte, was die moderne Hausfrau so braucht, um sich das Leben leichter zu machen. Dinge halt, die die Welt nicht braucht, aber von deren Verkauf zumindest der Herausgeber des schmalen Kataloges lebt. Dessen Titelbild ziert ein üppiger Blumenstrauß – angerichtet in einer Vase mit mehreren Etagen, die den schönen Namen Flora-Magic trägt.

Im Inneren des Heftchens dann gleich doppelter Spaß. Ach wie gut lässt es sich lästern über die nützlichen Dinge, die da angeboten werden. Und wie erfreut sich der literarisch gebildete Mensch an der Bezeichnung der kleinen Helfer für die moderne Hausfrau und die gepflegte Dame. Mein persönlicher Hit: Armband-Fix. In eine Halbkreisform gegossener Kunststoff mit einer Öse am oberen und einer Standfläche am unteren Ende, der das Anlegen des Armbandes erleichtert. Das Gerät, verspricht der Katalog, „macht es Ihnen noch leichter, sich zu schmücken“. Zwar nicht mit einem Namen belegt, aber ebenso überflüssig: Der Wattepad-Spender für die Badezimmerwand, der mich in Zukunft davor bewahren soll, gleich nach dem Aufstehen die Verkaufsverpackung der Wattepads ansehen zu müssen.

Der Rest des Tages ist dann durch weitere Wunderdinge gesichert. Bei der Zubereitung des Mittagsmahls ist die moderne Hausfrau mit dem biegsamen Schneidbrett Flexi davor gefeit, dass die fein geschnittenen Zwiebelringe neben die Pfanne fallen, beim Kaffeeklatsch mit ihrer Freundin breitet sie die mit kleinen Lichtern bestückte Plastik-Girlande „Wilder Wein“ auf der Tischdecke aus, am Abend löscht sie Kerzen mit dem praktischen Kerzenlöscher „Rauchfrei“ und beim abendlichen Bad bettet sie das müde Haupt auf das aufblasbare Badewannenkissen mit sechs Kammern. Und wenn sie dann noch Zeit hat, blättert sie noch ein wenig im Katalog für die moderne Hausfrau und sinnt darüber nach, ob sie ihrem Gatten zum Geburtstag den Miniaturlastwagen schenken soll, bei dem unter der Aufschrift „King of the Road“ eine beidseitige Namensgravur möglich ist. Auf dass sich der Herr des Hauses mit dem Lastwagen im Regal wie ein kleiner König fühlt.

Ein Kommentar

  1. Ich gebe Dir Recht und amüsiere mich köstlich! Es gibt aber genug Zeitgenossen/genossinnen, welche diese unnützen Dinge super wichtig finden – nur das gerade sie eigentlich nicht das Geld dafür haben! Aber jeder Intellekt möchte bedient werden – so werden unnütze Dinge besonders wichtig und gut verkäuflich.
    LG, Christiane

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