Keiner denkt klassisch

Keiner denkt klassisch

Ich fühle mich diskriminiert, nicht ernst genommen. Als bekennender Klassikfan und jemand, der die Charts links liegen lässt, bin ich ausgegrenzt, werde übersehen, nicht wahrgenommen. Hier drei Beweise für meine These.

Autoradio I

Gerade wer lieber Mozart statt Madonna und Bach statt Bushido hört, legt Wert auf gute Klanqualität. Also habe ich vor einiger Zeit das alte Autoradio gegen ein neues ausgetauscht. Und es einbauen lassen. Sicher ist sicher. Der Monteur beim Elektro-Discounter meiner Wahl hat das auch prima gemacht und gleich noch als Kundenservice alle Programmspeicher-Tasten mit Sendern belegt. Natürlich ohne zu fragen, welche ich denn haben möchte. Und was ist dabei rausgekommen? Nur Pop-Sender, alles, was gängig ist. Nicht einen Wortsender wie D-Radio oder NDR-Info – will offenbar niemand hören, ich aber wohl – und keinen einzigen Klassik-Sender. Der Mann ist nicht einmal auf die Idee gekommen, dass es Leute gibt, die weder R.SH noch Radio Nora noch Radio Hamburg oder so etws hören.

Aber der Mensch braucht eigentlich auch keine Wort- oder Klassiksender im Autoradio. Weil die nämlich an Stellen mit schlechtem Empfang sowieso immer von irgendwelchen Pop-Kanälen übertönt werden. Zwar nur mit kurzen Einwürfen, aber warum die sich immer wieder mal durchsetzen und den Hörgenuss zerfetzen, hat mir noch niemand schlüssig erklären können. Nicht mal der um Hilfe gebetene NDR-Techniksupport.

Autoradio II

Stopp an der Ampel. Neben mir einer von diesen Leuten, die Boxen mit vier Rädern drunter fahren. Aus dem Auto – sogar bei geschlossenen Fenstern zu vernehmen – dröhnt die Musik. Der Rhythmus ist beinahe körperlich spürbar. Will ich das hören? Nein, ganz und gar nicht. Das sollte ich mal mit der Finlandia von Sibelius machen, ein Stück das richtig rockt. So eine Zwangsbeschallung an der Ampel würde mir wahrscheinlich unverständliches Kopfschütteln eintragen.

MP3-Player

Wohl jeder von uns hat das schon einmal erlebt: Man sitzt in der U-Bahn oder im Bus, und vom Neben- oder Hintermann dröhnt einem das Gestampfe irgendeines Beats ins Ohr. Ein Umstand, der möglicherweise andere stört, aber niemand wagt es, etwas zu sagen. Die Leute verdrehen höchstens die Augen. Ich habe es nur einmal gewagt, mir im Flugzeug die Knöpfe des MP3-Players in die Ohren zu stecken und – gar nicht mal sehr laut – Klassik zu hören. Irgendeine Oper. Die Blicke meines Nebenmannes hätten töten können. Blankes Erstaunen undd Befremden.

Merke: Klassikfans haben ruhig zu sein. So ruhige wie ein Pianissimo von Mendelssohn-Bartholdy.

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