Gut leben, gut sterben, gut schmecken: Wider den überzogenen Tierschutz

Unsere glücklichen Cröllwitzer Puten: Erst Garten-Deko, dann Weihnachtsbraten

Ja, auch Tiere haben Menschenrechte. Oder anders ausgedrückt: Niemand hat das Recht, Tiere zu quälen, ihnen Futter, Wasser und eine  angemessene Unterkunft zu verweigern, sie verwahrlosen zu lassen oder unsachgemäß zu töten. Aber es gibt auch einen überzogenen Tierschutz, der sämtliche normalen Maßstäbe außer Acht lässt.

Ein schrecklicher Vorfall, der sich im Sommer ereignete, hat wieder einmal meine Meinung zu überzogenem Tierschutz bestärkt: Zwei Hunde aus der Kategorie Kampfhunde drehen durch, fallen ein Kind an und hetzen anschließend durch ein Dorf, in dem die Menschen im Garten sitzen oder auf der Straße unterwegs sind. Die Polizei erschießt einen der Hunde, die Feuerwehr überfährt den anderen mit ihrem Löschfahrzeug, weil sie anders der Sache nicht Herr werden kann. Und dann? Gibt es heftige Kritik von Tierschützern und Hundebesitzern am rüden Vorgehen von Polizei und Feuerwehr. Die Mutter des Kindes und Besitzerin der Hunde will sogar auf Schadensersatz klagen. Vom Schutz der Dorfbewohner ist keine Rede.

Zu Hundeattacken auf Kinder habe ich mal diesen Kommentar geschrieben:
HundundKind
Selten bin ich nach einem Artikel so angefeindet worden. „Der Kommentar ist an Dummheit kaum zu übertreffen. Die Autorin polarisiert und diskreditiert jeden Hundebesitzer“, hieß es etwa. Oder auch:  „Was Sie da schreiben ist der größte Mist, den ich je gelesen habe, und glauben sie wirklich, die Kinder sind unschuldig???“

Ich bin tierlieb, aber ich sehe auch die Grenzen dieser Tierliebe.

Haustiere

Hund und Katze sind uns lieb und teuer. Wir hegen und pflegen sie und sie sind uns als Familienmitglieder ans Herz gewachsen. Das heißt aber nicht, dass sie alles dürfen. Ein ordentliche Portion liebevoller Erziehung sorgt dafür, dass sie weder auf den Teppich machen noch über Tisch und Bänke gehen. Nur so macht das Zusammenleben mit Tieren Freude.

Reitpferde

Auch sie lieben wir. Aber auch sie müssen liebevoll erzogen werden, Unterordnung lernen. Wer der Herr ist, ist nicht verhandelbar. Denn sonst macht das Reiten keinen Spaß, weder Mensch noch Tier.

Nutztiere

Ob für die Fleisch-, Eier- oder Milchproduktion, Rinder, Schweine, Hühner und Schafe haben ein Anrecht darauf, artgerecht gehalten und gut versorgt zu werden. Kein Bauer, der auf sich hält, würde seine Tiere verkommen lassen. Sie sind für ihn mehr als nur ein Produktionsmittel. Das wird spätestens dann deutlich, wenn die Tiere wegen Seuchen gekeult werden müssen oder wenn zum Beispiel die Milchwirtschaft aufgegeben werden muss. Da sind auf manchem Hof schon Tränen geflossen.

Auch wir haben viele Tiere. Haus- und Nutztiere. Unseren Tieren geht es gut. Aber viele von ihnen landen auch auf dem Teller. Sie werden fachgerecht geschlachtet. Was soll daran verwerflich sein? Bei vielen radikalen Tierschützern vermisse ich, dass sie die richtigen Prioritäten setzen. Pro Mensch und dann erst pro Tier. Oft habe ich den Verdacht, dass die, die dem überzogenen Tierschutz frönen, selbst keine haben, in der Stadt wohnen oder sich höchstens mit ihrem Hund beschäftigen. Ohne den Hundebesitzern zu nahe treten zu wollen: Gerade sie sind oft – nicht alle, wohlgemerkt – besonders uneinsichtig, wenn es um die richtige Rangfolge von Mensch und Tier geht.

Auffällig auch, dass seriöse Tier- und Naturschutzorganisationen sich in Fällen wie der oben beschriebenen Kampfhund-Attacke zurückhalten. Sie wissen, wann es Zeit ist zu schweigen. Nämlich dann, wenn falsch verstandener Tierschutz in die Gefährdung von Menschen umschlägt.

7 Kommentare

  1. Nun komme ich doch nicht umhin meine 2 Cent zu dem Artikel und auch dem Kommentar dazu zugeben. Es fängt schon mal damit an, dass es keine Rasse “ Kampfhunde“ gibt. Mit dem Begriff Kampfhunde hatte vor Jahren die Boulevardpresse ihre Aufreisser und dieser Begriff wird gedankenlos immer wieder benutzt. Keine Frage, Hundehalter haben eine Pflicht, ihr Hunde, egal welcher Rasse unter Kontrolle zu halten. Und trotzdem wird es, bei aller Umsicht, Unfälle geben. Genauso wie mit durchgehenden Pferden oder entlaufenen Rindern. Und wenn es gilt Gefahr für Leib und Leben objektiv oder subjektiv abzuwehren, dann eben auch mit Erschiessen oder Überfahren. 14! Schüsse sind aber zweifelhaft, da stimmt dann etwas bei der Polizei nicht. Ein Hundeführerschein ( was für ein schwachsinniger Ausdruck) ändert wenig an den Grundproblemen und zwar aus folgenden Arguenten: 1. Hundeschulen benötigen keinerlei Voraussetzungen, um diese schulen zu betreiben. Lediglich für die Ausbildung von Schutz- und Wachhunden ist die Sachkunde nach zuweisen. Ein kleiner Lehrgang und ein paar Fragen, dass war es. Jeder der einen Dackel von einem Bahnbus unterscheiden kann, kann eine Hundeschule aufmachen. 2. Es reicht nicht, einmal einen Lehrgang zu machen für die Halter, denn Hunde ändern sich im Laufe ihre Lebensphasen, ändern ihr Verhalten, manchmal auch den Charakter.

    Ein Satz zur „Rangfolge“: Man glaubt immer noch Mensch und Hund sind ein Rudel. Das ist, mit Verlaub, Blödsinn. Rudel gibt es nur unter Gleichartigen, selbst Hunde- und Wlfspäpste wie Blocj etc. haben sich schon lange von dieser Vorstellung “ Der Mensch ist Rudelchef“ verabschiedet. Mensch und Hund sind eine Zweckgemeinschaft und der Mensch sollte das Sagen haben.
    Ein Problem ist sicherlich die romatisch-verklärte Ansicht vieler Tierfreunde insbesondere Hundebesitzer, die ihr Hund auf fast-menschliche Stufe heben, sich bei Rütter & Co. bestätigt sehen, weil sie nur 1:30 Clips in den Sendungen sehen oder aus den Büchern nur das lesen, was sie lesen wollen. Und der Hund soll möglichst mit 6 oder 8 Monaten schon perfekt funktionieren. Niemand nimmt sich die Zeit, einen Hund zwei oder drei Jahren auszubilden, abhängig von den Lebensphasen und dem Hund dann auch noch eine sinnvolle Ausbildung zu verpassen, damit Hund gefordert wird, denn die wollen beschäftigt sein, die Nase nutzen, rennen oder was auch immer.
    Und noch ein Satz zu den „unschuldigen Kindern“: Auch hier ist die Wahrheit wohl mehrschichtig, Eltern, die ihren Kinder nicht beibringen, wie man mit fremden Tieren umgeht oder auf sie zugeht, sind ebenso mitverantwortlich, wie ein nachlässiger Tierhalter. So, nun hör ich auf. Sonst gehen mit mir noch die Hunde durch ;-)

    1. Lieber Olaf,
      vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Du hast es mit den Worte „die romantisch-verklärte Ansicht vieler Tierfreunde“ auf den Punkt gebracht. Eben dem wollte ich mit dem Artikel gegensteuern. Und ein wenig Widerspruch herausfordern, was mir bei Dir ja auch gelungen ist. So sachlich würde ich die Argumente von echten Tierfreunden gerne öfter haben.
      Liebe Grüße,
      Susanne

  2. Sehe ich genauso! Die Tierliebe hat einfach seine Grenzen, und zwar dann, wenn Menschen verletzt werden.
    Aber 14 Schüße auf einen Hund? Da muss der Polizist entweder betrunken gewesen sein, oder kann nicht schießen…

    Grüße, Dave

  3. Liebe Susanne,
    der Widerspruch ist wohl darin begründet, dass ich glaube, meinen Hund einigermassen im Griff habe ;-). Da kann ich das alles gut behaupten.

    Ein schönes Wochende,
    Olaf

  4. @Dave Meyermann,
    weder war der Polizist betrunken, noch kann der schlecht zielen. Das liegt an den Vollmantelgeschossen, die sollen verletzen/handlungsunfähig machen und nicht töten. In Hessen haben alle Streifenwagen sogenannte Fangschuss- Munition an Bord, also Jagdmunition für Wildunfälle o.ä.

  5. hallo zusammen,

    ich empfehle ein buch: „Merles Tür: Lektionen von einem freidenkenden Hund“ von Ted Kerasote.

    kerasote vertritt unter anderem die these, dass der mensch als alpha-tier ausgedient hat und belegt seine these anhand neuester wolfsforschungen. der mann setzt bei seinen hunden auf vertrauen, liebe, selbstständigkeit und freiheit.

    ach, einfach mal lesen. ich fand’s hoch interessant… auch was seine ansichten von leinen angeht… je mehr leinenzwang, desto unausgeglichener der hund. seh ich auch so… :-)

    liebe grüße
    verena

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