Verschwundene Bücher

Hier stelle ich Bücher vor, die mir etwas bedeuten,

die aber im Handel nicht mehr erhältlich sind.

 

Das Grüne Gewölbe

Mädchen mögen alles, was mit Prinzessinnen, Prinzen, mit Edelsteinen und Schmuck zu tun hat. Mein Schlüsselerlebnis als Kind war ein Besuch im Grünen Gewölbe in Dresden, als es noch nicht wieder das Grüne Gewölbe war, aber die Kunstgegenstände zeigt, die dort hinein gehören. Das war irgendwann in den 1970er Jahren. Bei einem späteren Besuch Ende der 1980-er Jahre habe ich als Erinnerung einen kleinformatigen Bildband mit dem schlichten Titel “Einführung in das Grüne Gewölbe” gekauft, herausgegeben von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, 1975. Es zeigt in bis heute hochwertig erscheinenden Fotos die wichtigsten Schätze der Schatzkammer der sächsischen Kurfürsten. Die Erklärungen erscheinen in einem heute antiquiert wirkenden Schriftbild. Und doch ist es ein Büchlein, das ich immer noch gerne zur Hand nehme. Vielleicht auch deshalb, weil ich bisher weder das wiedererstandene Original-Gewölbe gesehen noch jemals einen aktuelleres Buch über dieses so besondere Museum gekauft habe.

Das Titelbild des Bändchens
Das Titelbild des Bändchens
Typografie made by DDR
Typografie made by DDR

 

Westermanns Kinderbuch

Ein Sammelband aus Gedichten, Liedern und Geschichten hat mich meine ganze Kindheit lang begleitet: Westermanns Kinderbuch, Ausgabe von 1951, prall gefüllt voller wunderbarer kleinerer und größerer Texte und illustriert mit ungewöhnlichen Zeichnungen mit jeweils einer anderen blassen Farbe. Das Buch ist gegliedert in Kapitel wie “In Mutters Stübele” oder “Tra-Ri-Ra, der Sommer der ist da”.

Was mich als Kind fasziniert hat, war nicht nur der ungemein reiche Schatz an Texten in diesem Sammelband. Sondern auch die Zeichnungen. Von Grimmschen Märchen über beliebte Kindergedichte aller Zeiten wie “Ein Männlein steht im Walde” bis hin zu Abzähl- und Schüttelreimen enthält Westermanns Kinderbuch so ziemlich alles, was einem nur einfallen kann. Die Herausgeber, der Verlag Georg Westermann Braunschweig, versteht das Buch als “geistiges Kinderzimmer”, eher als Haus mit Räumen für Kinderliteratur jeder Art. Ausgesucht und zusammengetragen haben sie Käthe und Hermann Boekhoff. Die ungewöhnlichen Zeichnungen stammen von Karl Voss.

Da wir vier Kinder zu Hause waren und Oma und Opa ihre Enkelkinder gerne zu Besuch haben, rücken sie an keinen von uns ihr Westermanns Kinderbuch heraus. Ich habe es lange in Antiquariaten gesucht. Erst vor wenigen Jahren habe ich es bei Ebay gefunden – ein absoluter Glücksfall. Es gibt auch noch jüngere Ausgaben, die weit in die 60er-Jahre und 70er-Jahre hineinreichen, aber ich wollte das Original und habe es schließlich gefunden. Spätere Ausgaben gibt es noch zuhauf, aber sie sind lange nicht so schön illustriert und eben nicht die, die ich kannte. Das Original von 1951 habe ich soeben im Netz in einem Antiquariat gefunden – für ganze 65 Euro.

Unser Exemplar wird heute von meiner Tochter genauso geliebt wie ich es als Kind geliebt habe. Das Buch wird deshalb gehütet wie ein Augapfel. Auf dass meine Enkel, Urenkel, Ururenkel noch etwas davon haben.

Und das ist meine Lieblingsseite aus Westermanns Kinderbuch:

 

Vom Schneider Kikeriki

Vom Schneider Kikeriki

 

 

 

 

 

 

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