Daumen hoch – was mir gefällt

Die Wiederkehr des Augenlichtes

Über 35 Millionen Menschen auf der Welt sind blind. 90 Prozent von ihnen leben in Entwicklungsländern. Viele können nach einer Operation wieder sehen, denn sie leiden unter dem grauen Star (Katarakt), einer Trübung der Linse. Doch oft fehlen Wissen und Geld, um diese Krankheit zu heilen. Hinzu kommt, dass Hospitäler und Fachärzte für die Landbevölkerung in Entwicklungsländern kaum erreichbar sind. Die Christoffel Blindenmission (CBM), eine freie Dienstgemeinschaft von Christen unterschiedlichen Glaubens, hat es sich zum Ziel gesetzt, diesen Menschen zu helfen. Mitten im ghanaischen Busch, in Agogo, macht ein deutscher Augenarzt Blinde wieder sehend.

Afia Birago (63) kann wieder sehen. Zweieinhalb Monate lang war die Bäuerin blind, konnte nur hell und dunkel unterscheiden. Einzelheiten ihrer Umgebung blieben ihr verborgen. Die Farmerin aus der Brong-Ahafo-Region in Ghana konnte ihre Felder nicht mehr bestellen, nicht mehr kochen, keine weiten Wege mehr gehen. Eine Katastrophe in einem Land, in dem die Mehrheit der Menschen von dem lebt, was auf Feldern wächst, die weit entfernt von ihrem Zuhause liegen. Afia Birago, Mutter von acht Kindern, leidet am grauen Star. Der deutsche Augenarzt Klaus Ellendorff hat ihr das Augenlicht zurückgegeben.

Afia Biragos Tochter Akna Adowaa (42) hat ihre Mutter ins Hospital von Agogo (25 000 Einwohner) gebracht. Das vor über 60 Jahren von den Baseler Missionaren gegründete Krankenhaus, drei Stunden von der Hauptstadt Accra entfernt, ist im ganzen Land und über die Grenzen Ghanas hinaus berühmt. Wegen seiner gut ausgestatteten Augenabteilung, an der seit 1964 europäische Augenärzte arbeiten. Finanziert wird der Einsatz des Arztes von der Christoffel Blindenmission, Betreiber des Krankenhauses ist die Presbyterian Church of Ghana.

Wie Afira Birago kommen täglich rund 100 Kranke in die Augensprechstunde des Agogo Hospitals. Die Menschen hier leiden unter Grauem Star oder Glaukom, hohem Augeninnendruck, der die Sehnerven bis zur Blindheit zerstört, auch Grüner Star genannt. Tumore kommen ebenso vor und Flussblindheit, ausgelöst durch den Stich der Kriebelmücke, die an schnell fließenden Gewässern lebt.

Anders als in Europa oder Nordamerika kommen die Menschen in Ghana erst zum Arzt, wenn es gar nicht mehr anders geht. Kein Wunder, sind doch die Ansprüche an das Sehen in den Entwicklungsländern längst nicht so hoch. Kaum jemand liest – 40 Prozent der Menschen sind Analphabeten – oder sieht gar fern. Die wenigsten Dörfer sind bisher an das Stromnetz angeschlossen.

Im Gegensatz zum Glaukom, bei dem der Arzt nur retten kann, was noch nicht zerstört ist, gelingt es Ellendorff und seinem Team bei den Katarakten, den Menschen ihr verlorenes Augenlicht wiederzugeben. Bei Afia Birago hat der Arzt Grauen Star an beiden Augen festgestellt. Sogar mit bloßem Auge lassen sich die weißen, eingetrübten Pupillen in ihren braunen Augen erkennen. Gleich für den nächsten Morgen wird die Patientin auf die Operationsliste gesetzt.

Was der Operateur zu tun hat, klingt simpel, ist aber kompliziert. Das Auge wird am Rand der Hornhaut eröffnet, die getrübte Linse mit einem vereisten Stäbchen angefroren und herausgezogen. Danach wird wieder zugenäht. Eine filigrane Arbeit, die viel Fingerspitzengefühl und eine ruhige Hand erfordert. Operiert wird unter dem Mikroskop. Bei Afia Birago wird zunächst die getrübte Linse eines Auges entfernt.

Drei Tage später: Der Optiker des Krankenhauses passt Afia Birago ihre neue Brille an, die er aus Rohlingsgläsern und Brillengestellen selber herstellt. Dicke Gläser mit über zehn Dioptren ersetzen die entfernte Linse. Afia Birago kann wieder sehen. Zunächst nur auf einem Auge, beide Augen operieren zu lassen, war ihr zu teuer, denn die Operation muss aus eigener Tasche bezahlt werden. Eine Krankenversicherung gibt es in Ghana nicht.

Deutlich ist die getrübte Linse zu erkennen.
Deutlich ist die getrübte Linse zu erkennen.

Erst wenn die Operation des ersten Auges gelungen ist, die Patienten den Erfolg im wahrsten Sinne des Wortes sehen können, entschließen sich viele, auch das zweite Auge operieren zu lassen. Diese OP ist etwas teurer. „Weil die Menschen dann nicht mehr blind sind“, erläutert Ellendorff.

Afia Birago hat das Krankenhaus nach zehn Tagen verlassen. Ohne fremde Hilfe. Sie hat ihren Weg wieder klar vor Augen.

Afia Birago und ihre Tochter Akna Adowaa (links)
Afia Birago und ihre Tochter Akna Adowaa (links)
Die Operation erfolgt unter dem Mikroskop.
Die Operation erfolgt unter dem Mikroskop.

Anmerkung: Dieser Artikel ist 1994 erschienen. Dr. Klaus Ellendorff praktiziert inzwischen als niedergelassener Augenarzt in Lüneburg. Seinen Platz in Agogo haben andere Augenärzte eingenommen. Außerdem hat er während seiner Zeit in Ghana einheimische Ärzte ausgebildet, die seine Arbeit fortführen.


Seit vier Jahren gibt es eine Krankenversicherung in Ghana, die etwa 40 Prozentder Bevölkerung haben und die für einen Großteil der Behandlung zahlt.


Die Patienten in Afrika erhalten mittlerweile statt dicker Brillen Kunstlinsen, wie es in Europa und Nordamerika schon lange üblich ist.

 

Weitere Informationen über die Arbeit der Christoffel Blindenmission:
www.cbm.de
Das Agogo Presbytarian Hospital
http://www.agogopresbyhospital.org/?q=node/21

Querflöte versus Klarinette

„Wie klingt eine Klarinette am schönsten? Leise knisternd im Kamin.“ Als ich diesen zugegeben bösen Witz das erste Mal gehört habe, wusste ich sofort, wer ihn sich ausgedacht hat: ein Querflötist oder eine Querflötistin. Und ich lag richtig. Der Witz beschreibt ein Phänomen, das ich nicht erklären kann. Es ist aber offenbar weit verbreitet, weil es mir viele Instrumentalisten und Musikhörer bestätigt haben.

Meine Behauptung: Wer Querflöten-Töne mag, mag keine Klarinetten-Töne. Und umgekehrt.

Ich liebe den Ton der Querflöte. Er ist rein, klar, seines Klangfarbe hat etwas Leichtes, das jedoch nicht der Tiefe entbehrt. Das ist keine Tiefe, die dumpf ist, die Angst macht, sondern eine, die ein wames Vibrieren in mir auslöst, und die dem hellen, reinen Klang etwas Gehaltvolles gibt. Besser kann ich es nicht erklären.

Ich mag den Ton der Klarinette nicht. Er ist mir zu näselnd, es schwingt etwas in ihm mit, das mir unangenehm ist. Das mich nicht innerlich jubilieren lässt, sondern mein Zwerchfell verknotet. Besser kann ich es nicht erklären.

Was aber besonders verwunderlich ist: Ich mag den Klang der Oboe, des Fagotts und des Saxophons, obwohl ihr Klang wie der der Klarinette von Rohrblättern erzeugt wird.

Ich weiß, dass es Menschen gibt, die den Klang meiner geliebten Querflöte nicht mögen. Die ihn zu scharf, zu schrill, zu hell finden. Fragt man sie, wie ihnen Klarinetten-Klänge gefallen, geben sie sofort ihre Begeisterung für dieses Instrument kund.

Fazit: Querflöte oder Klarinette ja, Querflöte und Klarinette, das geht offenbar nicht zusammen.

 

Wer es selber prüfen möchte, hier gibt es Klangbeispiele:

http://www.sander-saxophon.de/klangbeispiel.htm

 

Und hier ein paar schöne Musikerwitze:

http://www.mv-flein.de/witze.htm

 

 

Für alle Querflöten-Liebhaber gibt’s diese Seite:

http://www.flutepage.de/blog/2011/05/16/klassische-musik-und-internet/

 

 

Applaus und Akkord

Eines vorweg: Ich bin bekennender Fan von klassischer Musik und kenne mich mit den Gepflogenheiten klassischer Konzerte aus. Ich weiß aber auch, dass ich damit ziemlich einsam auf weiter Flur stehe. Für viele ist klassische Musik genau das, was ich einst als bissigen Witz las: Klassik – tote Musik für halbtote Zuhörer.

Genau das ist es aber nicht. Es ist eine Musik, die einen mitreißt oder in sich versinken lässt. Und dann kommt er, der Moment, in dem der verzückte Zuhörer  harsch aus seinem Hingerissensein gerissen wird: Wenn nach dem ersten Satz geklatscht wird. Zögernd fallen etliche weitere Zuschauer ein, wenn das Applaudieren beginnt. Bald macht sich Verlegenheit breit, das Klatschen erstirbt schnell, der Dirigent hebt die Hände zum nächsten Einsatz. Zugegeben, ich übertreibe ein bisschen, aber so kommt es mir halt oft vor.

Wann darf ich im klassischen Konzert klatschen? Grundsätzlich, zumindest in unserem Kulturkreis, nicht zwischen den Sätzen. Wohl aber zwischen den einzelnen Werken. Wer unsicher ist, schließe sich der Masse an. Ein innerer Applausometer hilft, zwischen falschem, weil magerem Beifall, und dem echten, frenetischen Applaus zu unterscheiden.

Dass Klassik still genossen wurde, war nicht immer so. Zu Mozarts Zeiten wurde im Opernhaus getratscht, gelacht,  gepöbelt – nicht über die Musik. Die war damals häufig das, was heute die Musik im Kaufhaus ist. Kulisse, Hintergrundbeschallung. Lag es vielleicht daran, dass niemand richtig hingehört hat, dass Mozart zu Lebzeiten keine Anerkennung seiner Musik fand. Seit Gustav Mahler änderte sich das, die Zuhörer lauschten der Musik, würdigten die Leistung der Künstler. Und hörten auf, zwischen den Sätzen zu klatschen.

Zu Recht, wie ich finde. Ein Werk, auch wenn es nach Sätzen gegliedert ist, ist eine geschlossene Einheit, Satz baut auf Satz auf. Die Linie wirkt nur ungebrochen. Und noch ein Argument gegen das Klatschen zwischen den Sätzen, das mir als Laien-Chorsängerin einfällt: Beginnt ein Chorstück mit dem vollen Choreinsatz auf der allerersten Zählzeit, braucht der Chorist die Tonart des vorangegangenen Satzes, um seinen Ton zu finden. Wie soll das gehen, wenn zwischendurch Applaus den Akkord überstimmt? Fatal, wenn der Chor den nächsten Einsatz harmonisch vergeigt.

Wenn  der letzte Ton verklungen, das Werk zumeist mit einem furiosen Finale zu Ende gebracht ist, dann darf applaudiert werden, am besten frenetisch. Aber bitte erst nach dem letzten Ton und einer ein paar sekündigen Stille, der Stille der Ergriffenheit. Wenn applaudieren trotz aller angeführten Argumente zwischen den Sätzen durchaus noch hinnehmbar ist, ist eines meiner Ansicht nach eine Todsünde: In die letzten Töne hinein laut „Bravo“ zu rufen oder schon loszuklatschen. Aber das tun sowieso nur Leute, denen es beim Konzertbesuch nicht um die Musik geht. Denn das ist ein Phänomen, das vor allem bei Benefizkonzerten auftritt.

Ein lesenwerter Artikel der Berner Zeitung von vor einem Jahr würde übrigens eifrig kommentiert: Die Klatschpolizei hört alles.

 

http://tt.bernerzeitung.ch/kultur/klassik/Die-Klatschpolizei-hoert-alles/story/19448559

 

Das Poesiealbum – ein Zeitdokument

„Deutsch sein heißt gut sein, treu sein und echt!“

Das schrieb der damals 23-jährige Lehrer Curt Frege in das Posiealbum, das sein Bruder Johannes, mein Großvater, gerade geschenkt bekommen hatte. Ein in Leder gebundenes Büchlein mit Verschluss und in Gold geprägten Buchstaben auf dem Einband. Ein Büchlein, das sich heute in meinem Besitz befindet und eine traurige Geschichte erzählt. Aber auch eine Geschichte von unendlicher Sorgfalt, von der Kunst der schönen Schrift und davon, sich für Freunde viel Mühe zu geben. Die Einträge in dem Buch sind kleine Kunstwerke.
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Blut und Weizen – Flaggenkunde

Flaggen symbolisieren Länder. Das Flaggen-Design symbolisiert Geschichte und Charakteristik von Ländern.

Flagge Lettlands

Beispiel Lettland: Die Flagge ist Rot-Weiß-Rot. Die Geschichte dazu grausam. Die Farben stehen für das Sterbelager des unbekannten lettischen Freiheitskämpfers. Blutüberströmt wurde er vom Kampf zu seiner Lagerstatt gebracht, auf weißes Linnen gebettet. Rechts und links floss das Blut von seinem Körper und färbe das Leintuch rot, nur in der Mitte, wo der Körper lag, blieb es weiß.

 

 

 

 

 

 

Beispiel Ukraine: Das Gelb-Blau steht für den blauen Himmel über den gelben Kornfeldern des Landes.

Blauer Himmel über reifen Kornfelder - Flagge der Ukraine

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wer kennt weitere Geschichten?

Ich sammele sie hier für ein Brevier der Flaggenkunde.

Stil-Sünden im Sommer

So kommt der Herr stilecht daher. Sie hat sich dagegen mindestens in der Farbe vergriffen.
Stil oder Nichtstil? So kommt der Herr stilecht daher. Sie hat sich dagegen mindestens in der Farbe vergriffen.

Kaum klettert das Thermometer über 20 Grad, scheint es keine Spiegel mehr zu geben. Ein Gang durch die Stadt offenbart Stil-Sünden von Weiblein und vor allem Männlein, wie sie schlimmer nicht sein können.

Wir Frauen neigen zu falscher Selbsteinschätzung. Oder wie unsere Oma immer sagte: Nichts gegen Beine, aber Gurken gehören ins Glas. Wer Mini trägt, sollte makellose Beine zeigen, und bauchfrei sieht nur bei derjenigen gut aus, die bauchfrei ist. Nicht jede, die ein Schlauchkleid trägt, schafft es, den Bauch weit genug einzuziehen. Und Söckchen zu Sandalen gehen gar nicht, ohne geht’s aber auch nicht, ohne sich Blasen zu holen. Und so kann ich zumindest gut nachfühlen, warum manche Frauen auf die textile Hülle am Fuß nicht verzichten wollen. Für das Auge ist aber kein Genuss. Es bleibt die alte Erkenntnis: Wer schön aussehen will, muss leiden.

Aufmerksamkeit verdient auch das Obenherum.  Tops sind nur topp, wenn aus ihnen keine Schwabbelarme hervorschauen. Alles, was zu eng oder zu weit ist, sieht nicht gut aus. Wer dünne Stoffe trägt, muss auf das Darunter achten, nichts ist schlimmer, als bunte Blümchen, die durch den weißen Hosenstoff blinzeln. Hervorlugende BH-Träger aus durchsichtigem Plastik sehen genauso störend aus wie der Tanga-Bund, der aus der Hose hervorlugt.

Die Stil-Sünden der Männer sind bei Sommerhitze aber noch viel schlimmer. Vor allem, wenn sie zu kurzen Hosen greifen. Die kurze Hose für den Mann, die wirklich gut aussieht, muss erst noch erfunden werden. Absolut unakzeptabel sind knappe weiße Höschen, die aussehen wie vom Tennisplatz oder aus der Mottenkiste der 70er-Jahre, schlabberige Bermudas und bunte Spielhöschen. Verschlimmern lassen sich diese Modesünden nur noch mit dem unpassenden Schuhwerk. Socken – womöglich noch in Weiß – in Sandalen? Schrecklich. Socken in bevorzugt schlammbraunen ausgelatschten Halbschuhen gröberer Machart zur kurzen Hosen? Unmöglich. Wenn dann noch der Bauch über den Hosenbund hängt und zwischen Hosenunterkante und Sockenoberkante die weißen Stachelbeerbeine zur Schau getragen werden, wendet sich der Betrachter mit Grausen.

So bitte nie
So bitte nie

 

Kniestrümpe - nur so akzeptabel

 

Badeschlappen sind zwar bequem, aber keine wirkliche Alternative Sie gehen gerade noch, wenn Männerfüße gepflegt und die Schlappen einigermaßen ansehnlich sind und nicht aus dem Ein-Euro-Laden kommen. Aber die Schlappen sollten doch der Freizeit vorgehalten bleiben.

Auch wenn’s heiß ist, liebe Männer: Eine ordentlich lange Hose mit leichten Halbschuhen sollte es beim Stadtspaziergang oder bei der Arbeit schon sein. Dazu ein gut geschnittenes Polohemd. Am Strand dürft Ihr dann oben herum blank ziehen und unten herum bunte Bermudas tragen.

Stil-Sünden sind natürlich kein reines Sommerphänomen. Jetzt tritt es nur mehr zutage, weil nicht das Mäntelchen der kalten Jahreszeit die schlimmsten Modesünden im Freien bedeckt.

Über die Stil-Sünden des Sommers haben sich außer mir auch schon andere Gedanken gemacht:

http://www.fashionpuppe.com/2011/04/mannermodeimsommer/

http://www.erdbeerlounge.de/mode-trends/Stilsuenden-im-Sommer-_a719/site1-0-0

Wer kennt noch mehr?

Tragt mit mir die Top-Ten der Sommer-Stilsünden für Männer und Frauen zusammen.

Die Last mit den Namen

Der Lübecker Altbischof hat so manchen Redakteur zur Verzweiflung getrieben – wegen seines Namens. Wie schreibt er sich nun richtig? Mit oder ohne Bindestrich zwischen Karl und Ludwig, Kohlwaage oder Kohlwage? Darüber ist nicht mal die Kirche selbst einig. In der Nordelbischen Kirche heißt er Karl Ludwig Kohlwage, beim evangelischen Nachrichtendienst EPD Karl-Ludwig Kohlwage. Immerhin bei der –wage mit einem a sind sie sich einig. Wer über Kohlwage schreiben musste, dessen Neid galt den Radiokollegen.

Lassen wir die Nachnamen mal beiseite, das ist ein zu weites Feld. Konzentrieren wir uns auf die Vornamen. Darin stecken schon genug Fallen. Günter (norddeutsch ohne h) oder Günther? Ralph oder Ralf, Stephan oder Stefan? Stephanie oder Stefanie? Rainer oder Reiner? Da kommt der alte Scherz gerade recht: Keiner wäscht reiner. Ja, kann sich Reiner/Rainer denn nicht selber waschen?

Es gibt kaum einen Vornamen, der sich eindeutig schreibt. Wer keine Fehler machen möchte, frage lieber nach. Ich weiß nicht, wie viele Eltern sich bei der Namenswahl darüber Gedanken machen, wie oft ihr Kind später einmal über die richtige Schreibweise Auskunft geben muss. Selbst angeblich eindeutige Vornamen wie Christoph oder Kurt – ich habe einen Kollegen, der heißt Curd – lassen mehrere Möglichkeiten zu.

Aber es geht noch komplizierter. Die zusammengesetzten Vornamen bergen noch mehr Stolperfallen. Karl-Heinz hat landläufig einen Bindestrich zwischen seinen beiden Vornamen, aber das ist längst nicht mehr selbstverständlich. Ich kenne einen Ernst-Otto und einen Ernst Otto.

Der eifrigste Namensforscher des Nordens, vielleicht sogar ganz Deutschlands, ist ein Mann aus Ahrensburg: Herr Bielefeld. Vorname? Knud! Mit d.

Hier schreibt Knud Bielefeld:

www.beliebte-vornamen.de/

Über die Namensgebung von Romanfiguren hat sich Jutta Miller-Waldner in ihrem Blog „Juttas Schreibtipps“ Gedanken gemacht:

http://juttas-schreibtipps.blogspot.com/search/label/Nomen%20est%20omen

Kurze Kulturgeschichte der Textübertragung

Ab und zu – beim Mittagessen in der Redaktion – kommt diese „Weiß-Du-noch“-Phase. Dann erzählen die alten Hasen den jungen Kollegen, wie früher Text und Bilder ihren Weg vom Arbeitsort des Redakteurs in die Zentrale gefunden haben. Im Nachhinein lässt sich nicht mehr jede Veränderung genau datieren, doch ich versuche hier einfach mal den Rückblick auf 30 Jahre Arbeit in Außenredaktionen.

Einst spielte das Telefon die wichtigste Rolle bei der Textübertragung. Und die Schallplatte. Große Scheiben, die in einem speziellen Gerät steckten und immer wieder neu über die Telefonleitung besprochen werden konnten. Eine Sekretärin mit Kopfhörern saß anschließend davor und tippte den Text ab. Vom diktierenden Redakteure wurde klare Aussprache verlangt und das flotte Buchstabieren jedes fraglichen Wortes. Meier – Martha-Emil-Ida-Emil-Richard. Ich kann bis heute das deutsche Buchstabier-Alphabet rauf und runter. Glücklich der, der beim Diktieren gemütlich in irgendeinem Außenbüro sitzen konnte, die Füße hochgelegt, das Manuskript auf den Knien und – seien wir ehrlich – so mancher Text wurde auch flott von der eingeschickten Pressemitteilung abgelesen und nicht selbst formuliert. Sah ja keiner. Ganz pfiffige Kollegen, zumeist solche, die auf Radio-Erfahrung zurückblicken konnten, formulierten völlig frei. Ich kannte mal einen alten Hasen, der sprang nach einer Kreistagssitzung in eine Telefonzelle, gab seinen Text aus dem Kopf durch, legte auf und verschwand in den Feierabend. Es gab aber auch frustrierende Erlebnisse. Wer viel durchzugeben hatte, quasselte sich mitunter den Mund fusselig. Umso ärgerlicher, wenn die Mühe umsonst war. Beim Vorlesen blickte ich eines Tages aus dem Fenster und sah draußen auf dem Platz vor dem Büro einen Bagger baggern. Ich diktierte und diktierte und diktierte. Am Ende, nach 40 Minuten, sagte ich der Sekretärin „So, das war’s“ Keine Antwort. Erst jetzt sah ich, dass der Bagger draußen vor dem Fenster seit geraumer Zeit an einem Telefonkabel zerrte.

Irgendwann tauchten die ersten Faxgeräte auf. Ungetüme, in die das Blatt Papier auf eine Rolle gespannt werden musste. Die drehte sich dann, und irgendwie und irgendwann war der Text in der Zentrale.

Dann kam eine technische Revolution. Ein kleiner Computer, eine Art früher Laptop, zunächst nur mit einigen wenigen Zeilen Text auf dem schmalen Bildschirm. Das Ding hatte einen Akustikkoppler. Der ähnelte überdimensionalen Handschellen mit zwei großen mit Gummidichtungen ausgelegten Kreisen an jedem Ende. Dahinein galt es, den Telefonhörer zu drücken. Der Koppler wandelte Text in Klickgeräusche um, die am anderen Ende der Leitung wieder in Text umgewandelt wurden. Aber wehe, wehe, wenn es zwischendurch in der Leitung knackte, was durchaus vorkam. Dann war dieses Textstück entweder zerhackt oder die ganze Übertragung unterbrochen.

Das Diktieren auf Schallplatte funktionierte wie das Übertragen mit Akustikkoppler auch aus einer Telefonzelle. Das Wort Telefonkarte war noch ein Fremdwort. Wer also seinen Text aus der Zelle schicken wollte, musste vorher einen Stapel Ein-Mark-Stücke bereit legen und während der Übertragung ständig Münzen nachwerfen.

Bei allen diesen Techniken der Textübertragung blieb ein Problem: Wie die Bilder transportieren? Je nach den örtlichen Gegebenheiten wurden sie entweder einem Linienbus oder einem Lokführer mitgegeben und am Zob oder Bahnhof von einem Redaktionsboten abgeholt. Deutliche Bildunterschriften waren zum Zwecke der Zuordnung immens wichtig. Das führte manchmal zu peinlichen Pannen. Ich sehe noch den Bildtext vor mir: „Karl Napf (dick, Brille, lacht) . . . Es stand so im Blatt.

Mit dem Ausbau der Datennetze endeten alle diese vorsintflutlichen Techniken der Textübertragung. Als 1990 die DDR-Grenze fiel und die ersten Westredakteure im Osten für Zeitungen im Westen arbeiteten, gab es noch einmal kurz einen Rückschritt: Jeden Mittag um 13 Uhr kam ein Taxifahrer und holte Manuskripte und Filme ab. Unterdessen bemühte sich ein Kollege, wenigsten einmal am Tag in der Zentrale anzurufen, um durchzugeben, was für die Seiten zu erwarten sei. Ein Stunden fressendes Unterfangen, schließlich musste ein Auslandsgespräch über marode Telefonleitungen geführt werden. Ich höre es noch heute, das Geräusch, dass mich sogar im Schlaf verfolgte: 0049-tut-tut-tut, 0049-tut-tut-tut, 0049-tut-tut-tut . . .