Potenziertes Potential

Haben Sie Potential? Nein? Na, dann wird das nichts mit der Karriere. Nicht als Model, nicht mal als Deutschlands nächstes, und auch sonst nicht. Ohne Potential geht heute gar nichts mehr, das Wort hat sich schlicht potenziert, kommt nicht mehr ab und zu, sondern dauernd daher.

Wissen Sie, was Potential ist? Oder auch Potenzial, wie es die neue Rechtschreibung vorschreibt? Nein? Ich weiß es auch nicht so genau. Natürlich weiß ich, dass das Wort so viel wie Macht, Kraft, Vermögen (nicht monetär, sondern geistig oder körperlich) und Fähigkeit bedeutet. Aber wie diese Fähigkeiten genau aussehen, das bleibt ein Buch mit sieben Siegeln. Zumal wenn selbstgewählte Trendsetter über das Lifestyle-Potential von Autos oder von Star-Potential für jedermann schwadronieren. Da reicht mein Potential bei weitem nicht aus, um mir darunter etwas Konkretes vorzustellen.

Muss es aber auch nicht. Ich lasse das Wort einfach meinem Vergesslichkeitspotential anheimfallen und rätsele schon mal über das nächste Wort mit Lifestyle-Potential. Das kommt ganz bestimmt.

Live aus meiner und vielen anderen Kehlen: Mozart meets Bach

Regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, dass es sich hier nicht nur um Fotografie, Presse und Sprache dreht, sondern auch um Musik. Genauer: um klassische Musik. Ein Thema, das hier in jüngster Zeit etwas zu kurz gekommen ist. Das soll sich heute ändern, aus guten Gründen. Es steht wieder ein Konzert bevor.
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Was heißt schimpfieret?

Blog-Autoren gucken genau hin. Nicht nur auf die Klickzahlen, sondern auch auf die Suchbegriffe, mit denen Leser über Google oder andere Suchmaschinen zu ihnen finden. Heute ist Karfreitag, und im Vorwege dieses höchsten christlichen Feiertages sind Leser zu mir gekommen mit einer Frage, die ich mir nie gestellt hätte.
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Bitte kein Bravo, Bravissimo ins Pianissimo

Ich war gestern Abend in der Oper unter freiem Himmel. Die Premiere von Verdis Oper „Nabucco“ ging über die Freilichtbühne am Großen Eutiner See. Die Eutiner Festspiele haben mir einen unvergesslichen Abend beschert mit wunderschöner Musik, einem erstklassigen Orchester, einem ganz, ganz großartigen Chor – Verdi muss Chöre gemocht haben, er hat ihnen in dieser Oper wunderbare Melodien geschrieben – und hörenswerten Solisten. Und doch habe ich mich geärgert.
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Die Sucht zu sabbeln

„Bozsik, immer wieder Bozsik, der rechte Läufer der Ungarn hat den Ball – verloren, diesmal an Schäfer. Schäfer nach innen geflankt. Kopfball – abgewehrt. Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt . . . Toooor! Toooor! Toooor! Toooor!“. Worte, die auch heute noch kalte Schauer über den Rücken jagen. Ins Mikrofon gebrüllt von Herbert Zimmermann in seiner legendären Hörfunkreportage über das WM-Endspiel von 1954, das „Wunder von Bern“. Ohne Pause redete Zimmermann sich in Rage, und das war auch gut so. Kaum jemand konnte sehen, was er da beschrieb, waren Fernseher doch noch Mangelware.

Und heute? Jeder kann sehen, ob Podolski ein Tor schießt oder Schumi überholt. Und was machen die Kommentatoren? Sie sabbeln wie zu alten Hörfunkzeiten. Besonders nervig bei Formel-1-Übertragungen. Vielleicht liegt’s am monotonen Rooaar-rooaar-rooaar der Boliden auf jeder der 70 oder mehr gleichförmigen Runden, dass die Reporter und ihre Gesprächspartner atemlos über Reifen, Asphalttemperaturen, Boxenstopps oder Pole-Position schwadronieren. Als sei der Fernseher noch nicht erfunden oder müsse fehlende Hintergrundmusik – vielleicht auch das nervtötende Rooaar-rooaar-rooaar – übertönt werden.

Da lob’ ich mir doch maulfaulere Kommentatoren anderer Sportarten. Springreiten zum Beispiel ist in dieser Hinsicht vorbildlich, weil die Reporter so schön maulfaul sind: „Oxer.“ „Steilsprung.“ „Jetzt die dreifache Kombination.“ „Und null Fehler für Ludger Beerbaum.“ Das hat Größe. Wer mehr wissen will, soll sehen. Und die Rasentemperatur oder die Profiltiefe der Hufe tun sowieso nichts zur Sache.

Gezieret, schimpfieret und gehenket

Heute ist Karfreitag, der höchste Feiertag der Christen. Das Wort leitet sich von „Kara“ ab, dem mittelhochdeutschen Wort für Klage oder Kummer. Der Kreuzestod Christi hat die Menschen über Jahrhunderte tief berührt und die Komponisten, allen voran Johann Sebastian Bach, zu innigen Chorälen motiviert. Musik, die ins Herz trifft. Aber es lohnt sich auch, die Texte näher zu betrachten. Auch wenn sie nicht mehr dem heutigen Sprachgebrauch entsprechen und teilweise gar grammatikalisch falsch klingen, sind sie von seltener Wucht und Ausdruckskraft.
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Der vergessene Komponist

Maria muss eine durchtrainierte Frau gewesen sein. Noch in der Schwangerschaft unternahm sie anstrengende Märsche – durch den Dornwald und übers Gebirge. Vertont hat diese Gewalttouren der Komponist Johannes Eccard, der vor 400 Jahren starb. Heute ist er nur noch Kirchenmusikern und in Kirchenchören ein Begriff, für die breite Masse der Klassik-Hörer ist Eccard ein vergessener Komponist. Das hat er nicht verdient
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Texte wie Musik erklingen lassen

Wie kommt mein Chor in die Zeitung?

Binnenwahrnehmung ist nicht gleich Außenwahrnehmung. Niemand weiß das besser, als (Laien)Chöre und Musikrezensenten. Da übt ein Chor monatelang, um ein großes Werk auf die Bühne zu bringen. Ein besonderer Moment für alle Sänger, den sie gern auch öffentlich gewürdigt wissen wollen. Aber wer liest Konzertberichte? Nur die, die mitgesungen oder -musiziert haben und die, die im Publikum saßen. Sollten Zeitungen deshalb keine Berichte von Laienkonzerten mehr bringen?
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Querflöte versus Klarinette

„Wie klingt eine Klarinette am schönsten? Leise knisternd im Kamin.“ Als ich diesen zugegeben bösen Witz das erste Mal gehört habe, wusste ich sofort, wer ihn sich ausgedacht hat: ein Querflötist oder eine Querflötistin. Und ich lag richtig. Der Witz beschreibt ein Phänomen, das ich nicht erklären kann. Es ist aber offenbar weit verbreitet, weil es mir viele Instrumentalisten und Musikhörer bestätigt haben.

Meine Behauptung: Wer Querflöten-Töne mag, mag keine Klarinetten-Töne. Und umgekehrt.

Ich liebe den Ton der Querflöte. Er ist rein, klar, seines Klangfarbe hat etwas Leichtes, das jedoch nicht der Tiefe entbehrt. Das ist keine Tiefe, die dumpf ist, die Angst macht, sondern eine, die ein wames Vibrieren in mir auslöst, und die dem hellen, reinen Klang etwas Gehaltvolles gibt. Besser kann ich es nicht erklären.

Ich mag den Ton der Klarinette nicht. Er ist mir zu näselnd, es schwingt etwas in ihm mit, das mir unangenehm ist. Das mich nicht innerlich jubilieren lässt, sondern mein Zwerchfell verknotet. Besser kann ich es nicht erklären.

Was aber besonders verwunderlich ist: Ich mag den Klang der Oboe, des Fagotts und des Saxophons, obwohl ihr Klang wie der der Klarinette von Rohrblättern erzeugt wird.

Ich weiß, dass es Menschen gibt, die den Klang meiner geliebten Querflöte nicht mögen. Die ihn zu scharf, zu schrill, zu hell finden. Fragt man sie, wie ihnen Klarinetten-Klänge gefallen, geben sie sofort ihre Begeisterung für dieses Instrument kund.

Fazit: Querflöte oder Klarinette ja, Querflöte und Klarinette, das geht offenbar nicht zusammen.

 

Wer es selber prüfen möchte, hier gibt es Klangbeispiele:

http://www.sander-saxophon.de/klangbeispiel.htm

 

Und hier ein paar schöne Musikerwitze:

http://www.mv-flein.de/witze.htm

 

 

Für alle Querflöten-Liebhaber gibt’s diese Seite:

http://www.flutepage.de/blog/2011/05/16/klassische-musik-und-internet/