Kurt Moll: Ein Bass, besser als alle Bässe

Wenn Popgrößen sterben, überschwemmen die R.I.P.-Einträge die Timelines bei Twitter und Facebook. Wenn ein Großer der klassischen Musik stirbt, sind die Reaktionen deutlich verhaltener bis kaum spürbar. Vor einigen Tagen ist Kurt Moll gestorben, gestern wurde es bekannt. Nur wenige haben es zur Kenntnis genommen. Dabei war er ein Bass, der besser war als die meisten Bässe. Diese Stimme, zum Niederknien schön.

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Frohe Weihnachten: Meister Eccard und die Krippen

Johannes Eccard ist ein beinahe vergessener Komponist, jedenfalls dem Namen nach. Viele aber kennen seine Musik. Eccard hat zwei Klassiker für die Advents- und Weihnachtszeit geschrieben. „Übers Gebirg Maria geht“, in dem die „Bas Elisabeth“ vorkommt, die ich so mag. Und dann „Ich steht an Deiner Krippen hier“. Mit diesem wunderbaren Werk wünsche ich allen Bloglesern eine gesegnete Weihnacht.

Ich schätze Knabenchöre nicht besonders, mir gefällt der Klang nicht. Aber dieses ist eine sehr schöne, gut durchhörbare Aufnahme.

Ein Komponist von heute: Interview mit Michael Porr

Ein alter Kalauer der Lübecker Kirchenchöre besagt, dass noch vor 20 oder 30 Jahren betagte Choristinnen berichteten, sie wüssten, wie Hugo Distler (1908- 1941) seine Stücke gesungen haben möchte, sie hätten selbst bei ihm gesungen. Schlagfertige Chorleiter fragten dann gern, ob die Damen auch schon bei Dietrich Buxtehude (1673-1707)  dabei waren und wüssten, wie er seine Stücke interpretiert haben wolle. Als Choristin des St. Johannes-Chores in Lübeck Kücknitz habe ich das Glück, gerade ein Stück zu singen, dessen Komponist noch lebt. Das ist in der Kirchenmusik eine große Ausnahme, gibt einem aber die Möglichkeit, den Komponisten zu befragen. Wir singen das „Requiem“ von Michael Porr (*1967), der so freundlich war, mir ein Interview zu geben. Ein Hörbeispiel vom Requiem gibt es am Schluss.
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Rückbau – doch nur ein Euphemismus

Entsorgungspark, Kunden (im Jobcenter) und thermische Verwertung – Politik und Wirtschaft überschütten uns mit Euphemismen, Wörtern, die besser klingen als das, was damit gemeint ist. In genau dieser Reihe habe ich bisher auch den Rückbau gesehen, der umgangssprachlich Abriss heißt. Allerdings musste ich mich jüngst belehren lassen: Ein Rückbau ist mitnichten ein Abriss. Oder vielleicht doch?

Abriss versus Rückbau, Bagger, Ketten
Der Abriss – hier mit alten Reifen als Puffer unter den Baggerketten – und eben kein Rückbau.

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Schönes Kauderwelsch: Die seltsame Sprache der Kosmetik-Industrie

Wer schön sein will, muss leiden, hat meine Oma immer gesagt. Sie weiß gar nicht wie sehr. Wer heute schön sein will, muss entweder Fremdsprachen können oder leidvoll erfahren, dass er oder sie nicht mitreden kann. Heutzutage sind Lippenstift, Wimperntusche und Puder total mega-out. So etwas klatscht sich niemand mehr ins Gesicht, sorry, aufs Face. Um bei Kosmetik wirklich mitreden zu können, sind größere englische Sprachkenntnisse gefragt.
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Sich über die Achtsamkeit ehrlich machen

Sie tauchen auf aus dem Nichts: Neue Wörter oder Formulierungen, die jahrzehntelang kaum jemand gebraucht hat und die plötzlich  – Achtung! Floskel! – in aller Munde sind. Zwei Beispiele fallen mir zurzeit besonders auf.
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Die weit verzweigte Komponisten-Familie: Ein Fluss an Bächen

Wie jeder ordentliche Kirchenchor singt auch unserer, der St.-Johanneschor in Lübeck-Kücknitz am Sonntag (17 Uhr, gleichnamige Kirche) ein Adventskonzert. Neben den bekannten Adventsliedern stehen auch einige eher unbekannte und etwas anspruchsvollere Stücke auf dem Programm. Ein ordentlicher Chor will schließlich gefordert sein. Mit auf dem Programm steht ein Doppelchor von Johann Michael Bach mit dem Titel „Fürchtet Euch nicht“, hier gesungen vom Doppelquartett „Vox Luminis“.


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Wirtschaftlich nicht darstellbar – das neue „zu teuer“

Ich bin nicht nur Wortjägerin, sondern auch Schwurbeldeutsch-Sucherin. Wobei: Wirklich suchen muss ich nicht, mir fällt dieses aufgeblähte Deutsch oft vor die Füße. Ich lese und höre es überall. Mein neuester Fund: das neue „zu teuer“.
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