Massenkarambolage: Ein harter Tag für Fotoreporter

Schwerer Weg zum schweren Unfall: Wer als Fotograf hier steht, hat es geschafft.
Schwerer Weg zum schweren Unfall: Wer als Fotograf hier steht, hat den Hinweg geschafft.

Es gibt noch keine Bilder. Auch fast zwei Stunden nach der Massenkarambolage auf der A45 bei Münzenberg ist kaum mehr im Redaktionsticker zu sehen als eine Zusammenfassung der Geschehnisse und eine Grafik, die die Lage des Unfallortes zeigt. Wo sonst schon wenige Minuten nach einem Ereignis, das große Schlagzeilen macht, Fotos zur Verfügung stehen, ist diesmal nichts. Und doch werde ich nicht ungeduldig. Ich habe sogar Verständnis dafür. Viel Verständnis sogar. Das waren meine Gedanken am Dienstagnachmittag, als ich nach den ersten Fotos von der Massenkarambolage in Hessen suchte. Und so ging es weiter:
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Pferde auf den Teller, aber nicht auf die Steuererklärung

Ich bin von Kindheitsbeinen an ein Pferdefan. Wir hatten Pferde zu Hause, ich habe laufen und reiten fast gleichzeitig gelernt und ich  bis heute eine große Liebe zu diesen Tieren und zum Reiten. Und trotzdem esse ichPferdefleisch. Sogar gerne. Die Aufregung um das Pferdefleisch in der Lasagne kann ich zwar verstehen, weil niemand etwas untergeschoben bekommen möchte, was er nicht weiß oder nicht will. Aber grundsätzlich finde ich nicht, dass man Pferdefleisch nicht essen kann. Was ich aber überhaupt nicht gutheißen kann, sind die Bestrebungen, eine Pferdesteuer einzuführen. Hat nichts miteinander zu tun, ich weiß, außer, dass es um Pferde geht.
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Feuerwehr und Presse: Leitlinien vom grünen Tisch

Weil die Polizei den Zugang gesperrt hat: Einsatzfoto aus der Ferne.

„Ach, da kommen wieder die Geier.“ Manchmal werde ich so begrüßt, wenn ich zur Arbeit komme. Genauer: Zum Ort von Katastrophen und Tragödien. Es ist mein Job ab Journalistin, Bericht zu erstatten über Feuer, Hochwasser, Unglücksfälle, Mord und Totschlag. Und das wird zunehmend schwieriger. Einst kein Problem, beschäftigt mich das Verhältnis von Presse und Feuerwehr beziehungsweise Presse zu BOS (Behörden der Ordnung und Sicherheit) zunehmend. Nun nimmt der Deutsche Journalistenverband (DJV) einen Anlauf, mir das Leben an den Einsatzorten ein bisschen zu erleichtern. Ich fürchte nur, der Effekt wird nicht besonders groß sein.
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Kamera oder Kopf: Wo entstehen gute Fotos?

Gute Fotos entstehen im Kopf. Das ist ein viel zitierter Spruch unter Fotografen. Genauso gern zitiert: Der Fotograf macht die Bilder, nicht die Kamera. Oder auch: Ein guter Fotograf kann mit jeder Kamera gute Bilder machen. Ist das wirklich so? Eine interessante Frage, die der Lichtinformer Michael Gelfert in einem Blogbeitrag aufgeworfen hat. Die Antwort auf diese Frage ist so vielfältig wie die Arten von Fotografen, die es gibt. Dabei will ich hier nicht das Fass aufmachen, was ein gutes Foto ist.

Fotografen und ihre Kameras - wer macht das Foto gut? Foto: Stefan Groenveld
Fotografen und ihre Kameras – wer macht das Foto gut? Foto: Stefan Groenveld

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Manchmal brandheiß: Feuerwehr und Presse

Feuerwehreinsatz an einem Unfallort
Feuerwehreinsatz an einem Unfallort

Es ist ein Dauerbrenner, das Verhältnis von Feuerwehren und Presse. Wobei ich hier nicht von den Berufsrettern schreiben möchte, sondern von den Freiwilligen Feuerwehren, mit denen eigentlich alle Lokalredakteure ihr Berufsleben lang zu tun haben. Ein Verhältnis, das irgendwo zwischen Langeweile und Konflikt liegt und sich im Laufe der Jahre sehr gewandelt hat.
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Plastik statt Jute

Früher, ja früher, da hatten wir nicht nur einen Kaiser, angeblich mehr Ruhe und Gelassenheit als heute und ein Plumpsklo hinten auf dem Hof. Früher, da spielten die Kinder noch Ringelreihen und Blinde Kuh statt am Computer zu sitzen, und sie hatten Platz, um sich draußen auszutoben. Und früher gab es die richtigen Säcke zum Sackhüpfen. Braun, aus Jute, kratzig und gerade so groß, dass sich ein durchschnittliches Kind den Sack bis unter die Achseln hoch ziehen und damit loshüpfen konnte. Doch der Jutesack ist weg. Dass er aus unserem Alltag verschwunden ist, fällt kaum auf. Längst haben wir uns daran gewöhnt, dass wir erstens nie so große Mengen von etwas einkaufen, dass ein solcher Sack vonnöten wäre. Zweitens unsere Minipackungen Vogelfutter oder Streusalz in Plastik verpackt sind, ebenso Gartentorf und Hornspäne. Wer Tiere hat, deren Futter in Mengen von 25 Kilogramm und mehr pro Einkauf bezogen wird, kann auch kaum darauf hoffen, einen der robusten Säcke zu ergattern. Solcherlei Leckereien für Viecher, etwa Kaninchenfutter, sind heutzutage in stabilen Papiersäcken verpackt. Hält auch und lässt sich viel leichter entsorgen. Alles in Butter also an der Verpackungsfront? Mitnichten. Spätestens wenn Sackhüpfen angesagt ist, hilft Plastik statt Jute nicht. Sei er noch so stabil, hüpfenden Kinderfüßen auf rauem Untergrund hält der beste Plastiksack nicht stand. Papiersäcke natürlich schon gar nicht. Also, ich kann gut auf Plumpsklos, einen Kaiser oder zu viel Ruhe verzichten. Aber gebt mir die Jutesäcke zurück!

Weg mit to go: Kaffee marsch

Kaffee gehört in die Kehle. Mein letzter „Coffee to go“ ging jedoch nicht den üblichen Weg in den Schlund, sondern tröpfelte auf die Jacke. Nicht, dass ich des Trinkens nicht mächtig wäre. Es lag am Becher. Der bot überraschenden Lesestoff, und schon war’s passiert. In dem Becher, so stand es draußen drauf, war nicht Coffee-to-go, sondern Kaffee-hurtig, Geh-Kaffee, Kaffee marsch oder Fersenkaffee, so die auf den Behälter gedruckten Vorschläge für lebendiges Deutsch statt „Denglish“. Die Ideen stammen von den Leserinnen und Lesern der Seite www.aktionlebendigesdeutsch.de, und da finden sich auch allerlei skurrile Vorschläge, wie englische Begriffe durch deutsche ersetzt werden können. Daraus lässt sich eine nette Geschichte basteln. Etwa so: Nach dem Netzschwatz* und der Denkrunde* im Büro, die sich mit dem Problem des Meutens* befasste, fuhr ich nach Hause. Unterwegs hatte ich einen kleinen Unfall, bei dem sich das Prallkissen* öffnete. Anschließend holte ich mir Schnellkost* und setzte mich vor den Fernseher, der ausgeschaltet immer auf Standstrom* bleibt. Die Tagesschau berichtete über Hohnlohn*.

Vielleicht sollte ich mal einen Hingeher veranstalten, bei dem lebendiges Deutsch vermittelt wird. Events sind schließlich out.

Wer sich auch mal an einer rein deutschen Geschichte versuchen möchte: Das Wortarchiv der Aktion lebendiges Deutsch bietet eine lange Übersetzungsliste für denglische oder angeblich denglische Begriffe.

(*chatten, *Brainstorming, *Mobbing, *Airbag, *Fastfood, *standby, *Dumpinglohn)

Ich war noch niemals in – ja wo denn?

Betonsanierung im Faulturm

Gerade habe ich in Jan Weilers „Buch der 39 Kostbarkeiten“ einen Text gelesen, in dem es darum ging, was er noch nie in seinem Leben getan oder erlebt hat. Zum Beispiel hat er laut seinem Text noch nie eine Fliege getragen. Während des Lesens habe ich darüber nachgedacht, was ich eigentlich in meinem Leben noch nie erlebt oder gemacht habe. Da musste ich lange nachdenken, und so richtig viel ist dabei nicht herausgekommen. Immerhin: Ich war noch niemals in New York. Und sonst?

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Wählen gehen – eine moralische Verpflichtung

Mein kleines Bundesländle Schleswig-Holstein wählt heute einen neuen Landtag. Seit Wochen nerven Wahlkampftermine, Wahlkampfmails, Wahlkampf-Hauswurfsendungen, Wahlkampf-Anzeigen und Wahlplakate. Ich frage mich immer, wer sich wohl von dieser geballten Flut an Argumenten und Slogans in seiner Entscheidung beeinflussen lässt. Aber zumindest kann so niemand übersehen, dass heute Wahltag ist. Und in einem gibt es für mich keine Wahl: wählen zu gehen.
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Die Piraten im Kopf

„Bundeswehr darf Piraten jetzt auch an Land verfolgen“, lautete eine Meldung von heute. Bundeswehr? Piraten? Verfolgen? Auch wenn die Piraten gerade wahlkämpfen, ist das doch noch lange kein Grund, ihnen Truppen auf den Hals zu schicken. Ach so, es sind gar nicht die Piraten gemeint, über die alle gerade reden. Sondern die Somalia-Piraten. Na dann.

So ist das mit Begriffen, die beinahe über Nacht eine neue Bedeutung erhalten. Nun habe ich mich gerade daran gewöhnt, dass ich bei dem Wort Piraten nicht sofort an Männer mit Enterhaken und Augenklappe denke – na ja, so sehen nicht mal mehr die Somalia-Piraten aus -, sondern an netzaffine Leute, die erfolgreich in die Politik streben. Da renne ich in die nächste Piraten-Falle, denke an Politiker, obwohl diesmal Verbrecher zur See gemeint sind. Wie gut, dass viele Medien inzwischen von Piraten und Somalia-Piraten schreiben. Damit es keine Missverständnisse in meinem Kopf gibt.