Daumen runter – was mir missfällt

Zappeln im Netz(werk)

Freundeln – als Gegensatz zum Fremdeln -, kreiseln, netlogen, einloggen, ausloggen, feedreadern, maillesen, surfen. Was noch alles? Dieses Web kostet nicht nur Zeit, sondern auch Gehirnschmalz. Welches Passwort wo? Was habe ich heute nicht abgerufen, wo nicht nach neuen Nachrichten geguckt, wem nicht geantwortet und seine Freundschaftsanfrage bestätigt? Will ich das? Nein, ich will das nicht? Jedenfalls nicht so?
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Keiner denkt klassisch

Ich fühle mich diskriminiert, nicht ernst genommen. Als bekennender Klassikfan und jemand, der die Charts links liegen lässt, bin ich ausgegrenzt, werde übersehen, nicht wahrgenommen. Hier drei Beweise für meine These.
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Die Invasion der Leuchttürme

Leuchtturm in der Blomeschen Wildnis - zur Verfügung gestellt von Dierk Haasis

Trotz Satellitennavigation und GPS erlebt der Leuchtturm landauf, landab eine ungeahnte Renaissance. Während an den Küsten fast nur noch das Licht der Nostalgie leuchtet, wird im Binnenland bis hinab nach Bayern ein Leuchtturm nach dem anderen gesetzt. Naja, virtuell jedenfalls.
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Die Kamera als Frage

Wer ist außer Stars, Sternchen und Politikern am häufigsten im Fernsehen zu sehen? Journalisten bei der Arbeit. Fernsehen braucht Bilder, und wenn keine kraftvollen Bilder da sind, streicht die Kamera gern über die arbeitenden Kollegen. Ob in der Bundespressekonferenz oder – besonders oft – bei anderen Pressekonferenzen, wo es außer den Rednern auf dem Podium und der mitschreibenden Journaille kaum etwas zu drehen gibt. Da wird auch gern mal auf den Block gezoomt, auf dem gerade Notizen gemacht werden.
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Nachhaltigkeit nachhaltig falsch verwendet

Seit einigen Jahren hat ein Wort aus der Forstwirtschaft Karriere gemacht: Nachhaltigkeit. Heutzutage wird fast alles nachhaltig genannt, obwohl kaum etwas wirklich nachhaltig ist. Abgesehen davon, dass das Wort unschön ist, wird es meistens falsch verwendet.

Über Nachhaltigkeit und ihre Bedeutung hat mir mein Vater Christian Frege – Diplom-Landwirt und Waldbesitzer – einen Gastartikel zur Verfügung gestellt.
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Gut leben, gut sterben, gut schmecken: Wider den überzogenen Tierschutz

Unsere glücklichen Cröllwitzer Puten: Erst Garten-Deko, dann Weihnachtsbraten

Ja, auch Tiere haben Menschenrechte. Oder anders ausgedrückt: Niemand hat das Recht, Tiere zu quälen, ihnen Futter, Wasser und eine  angemessene Unterkunft zu verweigern, sie verwahrlosen zu lassen oder unsachgemäß zu töten. Aber es gibt auch einen überzogenen Tierschutz, der sämtliche normalen Maßstäbe außer Acht lässt.
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Internetsucht oder wie Millionen Deutsche krank geredet werden

Gehen wir doch mal auf die Suche nach Süchten. Gestern geisterte die Schlagzeile durch den Blätterwald, mehr als eine halbe Million Deutsche seien süchtig nach dem Internet. Ich stelle mir das so vor, dass diese Menschen jenseits von Tastatur und Bildschirm oder Androidhandy Schweißausbrüche bekommen, unter Übelkeit leiden und ganz hibbelig werden. Bis sie endlich wieder – ja, was denn? Im Netz lesen dürfen. Oder spielen. Oder chatten.
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Katzentod auf der Straße

Sie kam als kleine Katze zu uns, als Ersatz für eine geliebte andere, die den Tod auf der Straße fand. Und nun ist auch unsere Nanni ist tot. Gestorben in der Nacht unter den Reifen eines Autos. Wir haben sie heute morgen gefunden und begraben.

Katzen sind keine Hunde. Sie sind unabhängig, freiheitsliebend, und wir wollen unsere nicht einsperren. Haben sie doch so viel Platz ums Haus, dass sie sich draußen richtig austoben können. Doch vor dem Haus verläuft eine Straße. Nicht viel befahren, aber doch gefährlich für Katzen. Und so kam es, wie es kommen musste. Einer unserer drei Stubentiger kam heute nicht nach Hause.
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Dann tu’s doch

Nein, ich will mich nicht einreihen in die Jammerer über das Denglishe, das unsere Sprache verhunzt. Denn es geht noch schlimmer.

Jüngstens Beispiel, das mir jetzt unterkommen ist: der „Tu’s Day“ der Initiative „Mehr wissen, mehr tun“. Anlass ist die Aktionswoche der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, und Klassen und Arbeitsgemeinschaften werden aufgefordert, originelle Ideen für eine Tag zu entwickeln und umzusetzen. Und dann kommt noch so ein Wortungetüm. Vorgeschlagen wird etwa ein „Off-Knopf-Tag“. Vermutlich ein Tag, an dem der Off-Knopf elektrischer oder elektronischer Geräte gedrückt wird. Wobei es doch logischer wäre, sie gar nicht erst „on“ zu schalten, dann braucht’s auch keinen Off-Knopf.

Auf der Hompage der Aktion geht es dann lustig weiter mit den Sprachmarotten. „BesserWisser“, „AufGefallen“ und „Labelpark“ heißen die Unterkategorien. Schlimm genug, dass hier die schrecklichen Binnenmajuskeln verwendet werden, bei „AufGefallen“ schmerzen sie obendrein besonders, weil hier der Großbuchstabe im Wort völlig unvermittelt und sinnlos daherkommt.

Der „Tu’s Day“ richtet sich an Schüler, ebenso wie die Homepage. Da frage ich mich: Wäre es nicht gerade bei denen, die Tag für Tag in der Schule schwitzen, um gutes Deutsch zu lernen, besonders wichtig, ihnen ein gutes Vorbild zu sein? Die Idee soll doch überzeugen, nicht der Sprachfirlefanz, mit dem sie offenbar an die Jugendlichen gebracht werden soll. Wenn schon tun – was sowieso kein schönes Verb ist – dann doch bitte am „Tu’s Tag“, das hat wenigstens noch Sprachmelodie.

Die Initiative „Mehr wissen, mehr tun“:

http://www.mehr-wissen-mehr-tun.de/index.php?id=home

Daniel Grosse über „Die BinnenMajuskel – SchreibUngetüm aus der MarketingAbteilung“:

http://www.goethe.de/ges/spa/siw/de4465280.htm

Eine satirische Verteidigung der Binnen(M)majuskel:

http://www.phase-5.net/am-rande-der-philosophie/ueber-binnenmajuskel-und-kamelhoecker/

 

Feng hui

In meinem Besitz befindet sich ein edles Tässchen. Es ist aus feinstem Porzellan, dick mit Gold belegt und, ebenfalls in Gold, mit Namen und Geburtsdatum meines Urgroßvaters beschriftet. Das ist ein böses Tässchen, habe ich jetzt erfahren. Es fesselt meine Gedanken und Gefühle in der Vergangenheit, lässt mich im Anno dunnemals verhaftet sein und ermöglicht es mir nicht, in die Zukunft zu denken und mich Neuem zu öffnen. Damit bin ich zur Erfolgs- und Glücklosigkeit verdammt.

Also weg mit dem Tässchen in den Müll! Ist doch sowieso nur sentimentaler Schrott. Sich beherzt von „ererbtem Krempel“ zu befreien, empfiehlt ein Feng-Shui-Ratgeber, der mir jüngst in die Hände fiel. Ist die Wohnung wieder hui statt pfui, sind auch die Energien frei, die uns angeblich glücklich machen.

Seitdem ich den Ratgeber gelesen habe, fühle ich mich ganz, ganz schlecht. Etwa wenn ich meine Grünlilie sehe mit ihren herabhängenden Ablegern. Die ziehen mich ’runter, sagt der Ratgeber, und seit ich es weiß, fühle ich mich so niedergeschlagen. Dann der ganze Nippes, der so schrecklich allein ist. Er beschert meinem Leben Einsamkeit. Erst paarweise auftretende Ziergegenstände, will mir der Ratgeber weismachen, powern die Energie in meiner Wohnung so auf, dass ich eine glückliche Partnerschaft erreichen kann. Woher sollen der eine Kerzenleuchter, die eine Maske aus Afrika und das eine Bild des befreundeten Malers auch wissen, dass ich überhaupt nicht einsam bin und längst einen Partner habe? Vielleicht sollte sich der so genannte Krempel mal meinem Energiefeld anpassen und nicht umgekehrt.

Das goldene Tässchen bleibt also, wo es ist. Auch wenn mein Urgroßvater laut Feng-Shui-Ratgeber schon in der geistigen Welt ist, in der es keine Anhaftungen an das Materielle gibt. Ich werde das edle Stück weiter in Ehren halten. Mein Energiefluss wird’s verschmerzen, wenn er im Geschirrschrank mal eine Kurve nehmen muss.