Alltägliches, das einem das Leben schwer macht

Man breitet sich aus

Stehen wir alle neben uns? Wie sonst ist es zu erklären, dass seit einigen Jahren eine sprachliche Marotte um sich greift. „Man“ statt „ich“ oder „wir“.

Gerade heute morgen hat es Lasse Becker, Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen, im Morgenmagazin vorgemacht. „Man“ müsse jetzt handeln, „man“ müsse politisch so agieren, dass es bei den Menschen spürbar sei, „man“ müsse jetzt die . . . und so weiter und so fort. Warum sagt er nicht, dass die FDP all das tun muss?

Lasse Becker steht damit nicht alleine da. Wer genau hinhört, wird im Freundes- und Bekanntenkreis, in Politikerreden, ja, sogar in Pressemeldungen und Leserbriefen, in O-Tönen im Fernsehen und bei Umfragen immer dieses „man“ statt „ich“ oder „wir“ finden. Wo es herkommt? Ich weiß es nicht, kann mir aber vorstellen, dass in diesem Fall das Französische schuld ist. In meiner Schwiegerfamilie dort spricht jeder von „on“, „man“, wenn er über sich spricht.

Leute, steht zu Euch. Sagt ich oder wir, wenn Ihr ich oder wir meint. Und selbst wenn andere gemeint sind, ist es immer besser, genau zu bezeichnen, wenn der Redner oder Schreiber tatsächlich meint.

Wer ist man? Etwas völlig Unpersönliches. Ein unbestimmtes Personalpronomen halt, mit dem ich keine bestimmte Aussage machen kann. Da bleibt alles im Ungefähren.


Mehr Sprachmarotten gibt es hier:

http://www.rhetorik.ch/Aktuell/worthuelsen/11_2004.pdf

Über die FDP, ihre Sprache und die Art, wie sie sich als Marke verkauft, besser: nicht verkauft, hat Ralf Schwartz nachgesonnen:

http://www.werbeblogger.de/2011/09/06/die-fdp-versteht-von-politik-ebensowenig-wie-von-markentechnik/

 

Trittbrettfahrer beim Fototermin

Gut, dass die meisten Zeitungen, die in einem Ort erscheinen, so wenige Doppelleser haben. Sonst würde denen sofort ins Auge fallen, dass fast alle zu den jeweilen Texten die identischen Fotos drucken. Ein Ärgernis für alle ambitionierten Pressefotografen. Vor allem für die, die schreiben und fotografieren und es täglich mit Trittbrettfahrer-Fotografen zu tun haben.

Das Spiel ist immer gleich: Pressekonferenz, alle sitzen um einen großen runden Tisch, die Gastgeber erklären ihr Projekt, ihre neue Ausstellung, ihre Sommerakademie, ihre Jobbörse, was auch immer. Wenn alles gesagt ist, kommt der entscheidende Moment: Jetzt brauchen wir noch ein Foto, sagt irgendein Kollege. Und ein anderer fragt womöglich: Hat jemand eine zündende Idee?

Um Ideen bin ich nie verlegen. Und auch andere haben ihre Vorstellung, wie ihr Foto aussehen soll. Also wird arrangiert, was zu arrangieren ist. Merke: Nur ein gestelltes Pressefoto ist ein gutes Pressefoto. Gilt  nicht immer, aber oft. Nur zeigt die Erfahrung. Bei Massen-Pressekonferenzen – und die fangen für mich bei zwei Kollegen schon an – sind es immer dieselben, die eine Fotoidee umsetzen. Und ebenso immer dieselben, die  sich flugs neben den Fotografen stellen und genau das selbe Bild machen. Ist doch schon alles so schön hinarrangiert.

Was habe ich nicht schon alles an Tricks ausprobiert, um dieser Falle zu entgehen? Ganz aufs Foto verzichtet, weil ich kein Aufstellbild haben wollte. Oder einfach fotografiert und das Bild dann nicht veröffentlicht. Wozu, wenn es eh wenig bis keine wichtige Aussage enthält (Was im Sommerloch keine Rolle spielt, denn ein Foto spart mindestens 70 Zeilen). Die Akteure des Pressegesprächs gebeten, hinterher noch fünf Minuten Zeit für mich zu haben, um nach Abzug der Kollegen das gewünschte Foto zu machen. Das funktioniert manchmal, aber nicht immer, und außerdem bin ich selbst oft unter Zeitdruck.

Bleibt noch, die Dauer-Trittbrettfahrer zartfühlend auf das Thema anzusprechen, schließlich will man es sich mit den Kollegen nicht verscherzen. Doch damit habe ich bisher oft auf Granit gebissen. Die Antwort, die ich bekommen habe, ist so verblüffend einfach wie schwer zu widerlegen: Ach, das wollte ich denen doch nicht zumuten, sich jetzt noch einmal neu aufzustellen oder noch etwas anderes zu machen. Die haben ja auch viel zu tun und nicht so viel Zeit, da habe ich gedacht, ich erspare es ihnen. Darauf ist mir erst einmal gar nichts mehr eingefallen.

Mutters neues Schuljahr

Der erste Tag im neuen Schuljahr ist da. Nun beginnen sie wieder, die Leiden einer Schulkind-Mutter. Jeden Tag zu Kloppenburg, sorry, das heißt jetzt Rossmann, und unweigerlich kommt dann auch der Kampf mit der Klebefolie.

Tag 1: Anruf im Büro. Mama, ich brauche ein Heft DIN A 4, liniert mit Rand mit blauem Umschlag, ein Heft DIN A 5 kariert ohne Rand mit gelbem Umschlag und ein Heft DIN A 4 kariert ohne Rand mit rotem Umschlag, dann eine blaue und eine gelbe Sammelmappe und einen grünen Schnellhefter, außerdem einen Collegeblock. Also rein in die Schlange all der Schulkinder und Mütter, die ihre Listen abarbeiten. Eine Liste gibt es allerdings ab Klasse 6 bei uns nicht mehr, sondern mit jeden Tag der Woche mit jedem neuen Fach eine neue Anforderung, was umgehend und bis zum nächsten Tag zu kaufen sei.

Tag 2 bis 5: Anruf im Büro. Wahlweise werden benötigt ein Vokabelheft und noch ein Vokabelheft, ein Notenheft DIN A 4 – das erfordert einiges an Sucharbeit – ein Bleistift Härte A oder B oder AB, dann noch einmal ein Heft DIN A 4 liniert ohne Rand, diesmal mit einem gelben Umschlag, und ein Heft DIN A 5 liniert ohne Rand mit grünem Umschlag, dazu noch einmal zwei Schnellhefter, einer blau, einer grün, und zwei Sammelmappen, was auch nichts andere ist als ein Schnellhefter, das  muss man nur wissen.

Irgendwann zwischen Woche 1 und Woche 3: Jeden Tag kommt das Kind mit einem anderen Lehrbuch nach Hause. Und jeden Abend hockt Mutter auf dem Fußboden und kämpft mit selbstklebender Einschlagfolie und Schere. Denn merke: Das Kaufen von Heften und das Einschlagen von Büchern hat immer, ich betone immer, von einem Tag auf den anderen zu erfolgen. Ob das die Lehrerin will oder das Kind, bleibt schleierhaft.

Doch seid getrost, ihr gestressten Mütter, irgendwann ist jedes Heft vorhanden und jedes Buch eingeschlagen, und dann beginnt das Schuljahr richtig und die Probleme nehmen nicht ab, sondern sehen nur anders aus. Schule ist und bleibt halt ein Abenteuer, nicht nur für die Kinder.

 

Erlebnis Hotel

Wenn einer eine Reise tut . . . Na klar, dann kann er was erzählen. Wer eine Reise tut, ist auf fremde Betten angewiesen. Üblicherweise auf ein Hotel. Das kann zum Erlebnis werden, zumal, wenn man auf eigene Faust in Feriengebieten unterwegs ist und vorher kein Zimmer gebucht hat. Ich habe in einer Woche Deutschlandtour drei Kategorien von Hotels kennen gelernt: unmögliche, äußerst angenehme und oberspießige.

Unmöglich:

Am Main, die als Ort der Nachtruhe auserkorene Kleinstadt ist gerade Ziel einer Massen-Fahrradtour, alle Zimmer ausgebucht. Die freundlichen Damen der Tourist-Information empfehlen, einen Ort weiter nachzufragen. Etwa bei einem Weingut, das auch Fremdenzimmer vermietet. Anruf, Auskunft: Ja, wir haben noch ein Zimmer frei, allerdings ohne Dusche und Toilette, die liegen auf dem Flur, Sie sind aber die einzigen Benutzer. Na gut, mag gehen für ein, zwei Nächte. Also hin. Zimmer ansehen? Nein, es wird gerade fertig gemacht, Sie können gleich einziehen. Wir sind ein- und gleich wieder ausgezogen: ein gebrauchtes Pflaster unterm Bett, eine Erdnuss im Polster des durchgesessenen Sessels, verschwitzte Bettwäsche und ein zusammengeknüllter Zettel in der Ecke. Das alles für 50 Euro die Nacht. Nein Danke.

Äußerst angenehm:

Also noch einen Ort weiter gezogen. Veitshöchheim am Main, sieben Kilometer vor Würzburg. Es ist ein Doppelzimmer für uns frei. Perfekt. Der Gastgeber empfängt uns herzlich, fragt, ob wir Würzburg besuchen wollen, drückt uns auf unser Ja prompt einen Stadtplan von Würzburg, einen von Veitshöchheim, den Fahrplan der Mainschifffahrt mit den Abfahrtszeiten nach Würzburg in die Hand, empfiehlt uns einige gute Speiselokale im Ort, zeigt uns ein pieksauberes und großzügig eingerichtetes Zimmer – 71 Euro die Nacht für zwei –, druckt uns am nächsten Tag flugs einen Busfahrplan aus und serviert am nächsten Morgen ein exorbitantes Frühstücksbüffet mit Lachs und Tomaten-Mozzarella und allem Drum-und-dran. Einziges Manko: Das Haus liegt nicht gerade ruhig, gegenüber flitzt der ICE über eine Hochbahntrasse, und bei brütender Hitze wird es nachts unruhig, wenn die Fenster offen sind. Abgesehen davon ein höchst empfehlenswertes Haus.

Es ist das Hotel und Gästehaus am Rokokogarten in Veitshöchheim:

http://www.hotel-am-rokokogarten.de

Die Namen der beiden durchgefallenen Häuser will ich hier höflich verschweigen.

Oberspießig:

Weg vom Main, hin zum Edersee. Waldeck. Wieder Zimmersuche. Angesichts der Erfahrung am Main rufen wir in einem Haus an, bitten, das Zimmer zunächst besichtigen zu dürfen. Die Dame am Telefon gibt sich schmallippig, weist uns dann aber an, zu kommen. Von Anschauen ist nicht mehr die Rede, sie drückt uns die Zimmerschlüssel in die Hand und bemerkt noch: „Da Sie nur eine Nacht bleiben, muss ich fünf Euro Aufschlag pro Person berechnen.“ Na dann. Macht88 Euro pro Nacht für zwei Nasen. Das Haus ist aufwändig, aber stillos eingerichtet, strotzt vor Nippes, das Bad ist braun gefliest und auf dem Flur hängt wie früher in Kinderheimen üblich ein Gong. Wird damit zu den Mahlzeiten gerufen? Wir werden es nie erfahren. Denn die Damen gibt uns zu wissen, das Haus sei zwar auch ein Restaurant, man habe aber an diesem Tage so viele Hausgäste, an die 40, dass es nicht möglich sei, für zwei weitere Personen zu kochen. Wir mögen uns zum Essen in ein anderes Restaurant begeben. Wir fühlen uns so schnell als Gäste zweiter Klasse, halt keine Hausgäste, sondern NUR Übernachtungsgäste. Der Eindruck, in ein Kinderferienheim mit strengen Sitten geraten zu sein, setzt sich beim abendlichen Kauf eines Viertels Wein für den zimmereigenen Balkon fort: „Aber Glas und Karaffe wieder runterbringen“, wird mir mit auf den Weg gegeben. Selbstverständlich.

Merke: Nicht überall ist der Gast Gast. Er fühlt sich manchmal wie ein zu schröpfendes Wesen und manchmal wie zurechtgewiesen. Aber es gibt eben auch Orte, wo Gastfreundschaft noch genauso verstanden wird.

Zahltag für den Schulbus

Nun ist es soweit: Der 1. August ist in Schleswig-Holstein für alle Eltern, deren Kinder mit dem Bus zur Schule fahren, Zahltag. Ich habe gerade 122 Euro an den Schulverband überwiesen. Dafür, dass mein Kind jeden Tag 16 Kilometer mit dem Bus zur Schule fährt und nachmittags wieder zurück, zwei Mal unterwegs umsteigen und die meiste Zeit im Bus stehen muss.

Eingebrockt hat uns das die Landesregierung. Nach dem vor einigen Jahren ein erster Versuch, die Eltern an den Schulbuskosten zu beteiligen, gescheitert war, ist der zweite Anlauf gelungen. Die Kreistage haben zähneknirschend die Elternbeteiligung beschlossen. Weil ihnen der Zuschuss aus Kiel gestrichen wurde und weil sie die Kosten von mehreren hunderttausend Euro sonst selbst hätten tragen müssen. Da die öffentliche Hand überall am Rand der Pleite vorbeischrammt, blieb nur, die Eltern zur Kasse zu bitten.

Zugegeben, 122 Euro im Jahr oder zehn Euro pro Monat sind nicht allzuviel. Es geht aber ums Prinzip. Nicht nur, dass vor Jahrzehnten die Schulen auf dem Land geschlossen und stattdessen Schulzentren in den größeren Orten gebaut wurden. Alle Eltern bekamen gesagt, als Gegenleistung würden ihre Kinder kostenlos zur Schule gefahren. Eine Zusage, die lange gehalten hat. Nein, mit dem Zahltag 1. August 2011 ist auch ein Damm gebrochen. Bildung ist auf dem Land nicht mehr kostenlos. Auch wenn kein Schulgeld erhoben wird, das Busgeld will bezahlt sein, und Eltern haben keine Wahl. Alle Kinder müssen mit dem Bus zur Schule fahren, egal, welche weiterführende sie besuchen. Einzige Alternative wäre ein Fahrdienst der Eltern, aber das kostet Zeit und ist bei den hohen Spritpreisen sicher nicht günstiger.

Die Zeit des kostenlosen Schulbusses dürfte damit ein für alle Mal vorbei sein. Es gibt kein Zurück mehr, was einmal eingeführt ist, wird nicht wieder abgeschafft. Jeder, der das glaubt, ist naiv. Bleibt nur die Frage, wie lange die jetzige Elternbeteiligung hält, wann sie erhöht wird und was vielleicht noch an Eigentbeteiligung kommt.

Und noch ein Gedanke bewegt mich: Wenn ich schon zahlen muss, kann ich dann nicht wenigstens ein kleines bisschen mehr Komfort für mein Geld und für mein Kind erwarten?

Das schreibt die Landes-Elternvertretung dazu:

http://elternvertretungen.blogspot.com/2011/02/eltern-warnen-politiker-eine.html

Brauchen wir Schulfotografie?

Vier Jahre Grundschule, vier Jahre lang jedes Jahr das selbe Spiel: Das Kind kommt heim, erzählt, dass morgen der Fotograf komme, es gut frisiert und gekleidet sein müsse. So sicher wie das Amen in der Kirche kommt nach dem Besuch des Schulfotografen eine Mappe mit ein paar Porträts in Sepia, ein paar in Farbe, zwei Bögen mit selbstklebenden Winzlings-Passfotos, ein Klassenbild und eine Rechnung über einen Betrag irgendwo zwischen 16 und 29 Euro. Das Geld sei abgezählt in einem Briefumschlag mit Name und Klasse des Kindes abzuliefern. Dazu der Hinweis, die Bilder müssten nicht gekauft werden (aber gut und richtig sei es doch).

Zugegeben, die Fotos haben mir immer gefallen, das Kind ist aber auch sehr fotogen. Ein wenig geärgert habe ich mich jedes Mal über die Selbstverständlichkeit, mit der der Kauf vorausgesetzt wird. Mit jedem Jahr habe ich das Mäppchen stärker aussortiert, mehr Bilder zurückgehen lassen und mich über die, die ich behalten habe, gefreut. Mein Verhältnis zu Schulfotografie ist gespalten.

Sinn oder Unsinn?

Brauchen wir jedes Jahr neue Fotos? Eigentlich nicht. Ich bin selbst Fotografin, fotografiere mein Kind oft und gern. Andererseits weiß ich selbst, wie gern ich auch nach 30 oder 40 Jahren noch meine Klassenfotos, die Gruppen- und Einzelfotos von der Konfirmation und vom Tanzstunden-Abschlussball (das gab es in meiner Jugend noch) herauskrame. Und wie gern meine Tochter diese alten Bilder betrachtet, nicht ohne die Bemerkung, wie seltsam unsere Kleidung und Frisuren damals aussahen.

Insofern ist meine Einstellung zu Schulfotos gespalten. Damit bin ich offenbar eine Ausnahme, denn eine Untersuchung der TNS Infratest Sozialforschung hat eine überwiegende Zufriedenheit der Eltern mit diesen Bildern festgestellt (http://www.bvds-ev.de/files/Studie.pdf). Aber elf Prozent der Befragten fühlte sich auch unter Kaufzwang gesetzt.

Warum macht die Schule das?

Für die Schule sind die Fotoaktionen Aufwand. Trotzdem machen es fast alle. Denn die Schulen haben etwas davon, werden von den Unternehmen mit Sach- oder Geldleistungen unterstützt. Die wenigsten Eltern wissen davon. Mehrfach diskutiert wurde in den vergangenen Jahren, ob diese Art der Unterstützung etwas mit Vorteilsnahme oder Bestechung zu tun hat, denn der Markt ist hart umkämpft. Schulfotografen, die den Zuschlag an einer Schule bekommen, haben dort das Monopol, und was einmal gut funktioniert, ändern beide Seiten nicht.

Etwas merkwürdig ist es in meinen Augen aber, dass die Schule sich zum Erfüllungsgehilfen der Fotografen macht: Unterrichtszeit wird zur Verfügung gestellt, die Kinder klassenweise vor die Kamera geschickt, das Geld eingesammelt.

Der BGH hat kürzlich einen Freispruch des Landgerichts Hildesheim aufgehoben. In dem Verfahren waren zwei Schulfotografen vom Vorwurf der Bestechung freigesprochen worden. Das sah der BGH anders, nun muss in Hildesheim neu verhandelt werden. Einwand des BGH unter anderem: Es sei nicht von Belang, ob“der Abschluss eines derartigen Vertrages schulverwaltungsrechtlich überhaupt zulässig ist.“ Tatsächlich haben die Kultusverwaltungen der Länder nichts gegen die Schul-Fotografen-Symbiose.

Es gibt eine Alternative

Heutzutage gibt es in jedem Haushalt einen Fotoapparat oder zumindest ein Fotohandy. Sollen die Eltern ihre Kinder doch selbst fotografieren. Und für die Schule gilt – und das deckt sich mit meiner Erfahrung – das Klassenfotos nur dann einen Sinn haben, wenn dazu alle Namen der abgebildeten geliefert werden. Und das kann nur ein Jahrbuch oder etwas ähnliches, in dem Klassenfotos und Namen verzeichnet sind. Am Gymnasium unserer Tochter gibt es so etwas. Das macht mehr Arbeit, bringt aber allen mehr. Dann kann getrost auf die Schulfoto-Mappen verzichtet werden.

Heike von Köln-Format hat mit einem Artikel „Lieber Kindergartenfotograf“ das Thema ganz anders dargestellt – sehr amüsant und lesenswert.

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Biopreis auf Rekordniveau

Benzin wird teurer, wenn der Ölpreis steigt. Biodiesel wird teurer, wenn der Biopreis steigt?

Könnte man denken, wobei Bio für das biologisch erzeugte Grundprodukt steht. Nur: Der Preis für Raps schwankt zwar, aber lange nicht so sehr und lange nicht so nachhaltig nur nach oben wie der Mineralölpreis.

Und doch: Der Sprit aus der Erde zieht den Preis für den Sprit vom Acker mit nach oben. Steigt der Benzinpreis um zehn Cent, geht auch der Preis für Biodiesel um etwa die gleiche Summe nach oben. Und niemand kann erklären, warum. Oder? Weiß jemand die Antwort?

Fragende Biodiesel-Fahrer werden gern damit abgespeist, dass die Erzeugung von Biodiesel Energie kostet und mit steigenden Energiepreisen auch der Biodiesel-Preis nach oben gehe. Das kann ich kaum glauben. Tatsache aber ist: Biodiesel kostet heute so viel wie Superbenzin noch vor ein paar Monaten. Gerade erst ist der Preis pro Liter auf 1,37 Euro, kurz darauf auf 1,39 Euro gestiegen und geht manchmal sogar über 1,40 Euro. Immer noch günstig gegenüber dem Erdöl-Sprit, aber für diesen Super-Preis hätte ich mir  vor Monaten noch eine andere Tankstelle gesucht.

Trachtengruppen

Sind wir nicht alle in bisschen uni-form? Nur in Uniform wollen wir nicht mehr auftreten, die Zeiten sind doch längst vorbei. Einheitslook, von der Mode diktiert, ist „in“, auch wenn’s keiner wahr haben will. Aber verordneter Einheitslook? Gar noch mit allerlei klirrendem Schmuck in Form von Orden und Ehrenzeiten verziert. Nein, bitte nicht! Oder doch?

Zwei despektierlich mitunter auch als Trachtengruppen bezeichnete Vereinigungen halten im Norden immer noch die Fahne hoch – wörtlich. Schützenvereine und Feuerwehren. Offenbar sind grünes und blaues Tuch, militärisches Gehabe, zackiges Marschieren und Ehren-Gedöns doch noch attraktiv genug, damit beide Organisationen nicht der Hauch eines Zweifels an ihrem Auftreten anfliegt. Wäre da nicht die eine oder andere leise, aber vernehmliche Klage über Nachwuchssorgen. Dass sich die Reihen lichten, ließe sich bei den Schützen ja noch unter Zeitgeist abbuchen. Bei der Feuerwehr wird’s gefährlich. Brandgefährlich. Bisher verbuchen die Wehrführer die mancherorts magere Besetzung noch unter mangelnder Begeisterung fürs Ehrenamt oder schieben sie den Arbeitgebern in die Schuhe, die sich angeblich oder wirklich immer schwerer tun, ihre Mitarbeiter fürs Gemeinwohl frei zu stellen. Das mag ja so sein. Doch hinter vorgehaltener Hand gibt auch mancher Feuerwehrmann zu, dass etwas weniger Trachtengruppen-Folklore und etwas mehr Trachten nach Modernität auch einer Feuerwehr gut tun würde.

Ganz und gar grummelig werden einigen Feuerwehrleuten, wenn es ans Ehren geht. Die Großen behängt man, die Kleinen lässt man – zum Einsatz – laufen. Oder anders ausgedrückt: Die sich nachts auf kalter Straße zur Rettung von Menschenleben den A . . . aufreißen, gehen beim Verteilen der Orden oft leer aus. Wie einst beim Militär.

 

Unzufriedenheit mit der eigenen Feuerwehr thematisiert ausführlich dieser Artikel:

http://www.fwnetz.de/2011/07/12/ich-bin-mit-der-gesamtsituation-unzufrieden/

 

Applaus und Akkord

Eines vorweg: Ich bin bekennender Fan von klassischer Musik und kenne mich mit den Gepflogenheiten klassischer Konzerte aus. Ich weiß aber auch, dass ich damit ziemlich einsam auf weiter Flur stehe. Für viele ist klassische Musik genau das, was ich einst als bissigen Witz las: Klassik – tote Musik für halbtote Zuhörer.

Genau das ist es aber nicht. Es ist eine Musik, die einen mitreißt oder in sich versinken lässt. Und dann kommt er, der Moment, in dem der verzückte Zuhörer  harsch aus seinem Hingerissensein gerissen wird: Wenn nach dem ersten Satz geklatscht wird. Zögernd fallen etliche weitere Zuschauer ein, wenn das Applaudieren beginnt. Bald macht sich Verlegenheit breit, das Klatschen erstirbt schnell, der Dirigent hebt die Hände zum nächsten Einsatz. Zugegeben, ich übertreibe ein bisschen, aber so kommt es mir halt oft vor.

Wann darf ich im klassischen Konzert klatschen? Grundsätzlich, zumindest in unserem Kulturkreis, nicht zwischen den Sätzen. Wohl aber zwischen den einzelnen Werken. Wer unsicher ist, schließe sich der Masse an. Ein innerer Applausometer hilft, zwischen falschem, weil magerem Beifall, und dem echten, frenetischen Applaus zu unterscheiden.

Dass Klassik still genossen wurde, war nicht immer so. Zu Mozarts Zeiten wurde im Opernhaus getratscht, gelacht,  gepöbelt – nicht über die Musik. Die war damals häufig das, was heute die Musik im Kaufhaus ist. Kulisse, Hintergrundbeschallung. Lag es vielleicht daran, dass niemand richtig hingehört hat, dass Mozart zu Lebzeiten keine Anerkennung seiner Musik fand. Seit Gustav Mahler änderte sich das, die Zuhörer lauschten der Musik, würdigten die Leistung der Künstler. Und hörten auf, zwischen den Sätzen zu klatschen.

Zu Recht, wie ich finde. Ein Werk, auch wenn es nach Sätzen gegliedert ist, ist eine geschlossene Einheit, Satz baut auf Satz auf. Die Linie wirkt nur ungebrochen. Und noch ein Argument gegen das Klatschen zwischen den Sätzen, das mir als Laien-Chorsängerin einfällt: Beginnt ein Chorstück mit dem vollen Choreinsatz auf der allerersten Zählzeit, braucht der Chorist die Tonart des vorangegangenen Satzes, um seinen Ton zu finden. Wie soll das gehen, wenn zwischendurch Applaus den Akkord überstimmt? Fatal, wenn der Chor den nächsten Einsatz harmonisch vergeigt.

Wenn  der letzte Ton verklungen, das Werk zumeist mit einem furiosen Finale zu Ende gebracht ist, dann darf applaudiert werden, am besten frenetisch. Aber bitte erst nach dem letzten Ton und einer ein paar sekündigen Stille, der Stille der Ergriffenheit. Wenn applaudieren trotz aller angeführten Argumente zwischen den Sätzen durchaus noch hinnehmbar ist, ist eines meiner Ansicht nach eine Todsünde: In die letzten Töne hinein laut „Bravo“ zu rufen oder schon loszuklatschen. Aber das tun sowieso nur Leute, denen es beim Konzertbesuch nicht um die Musik geht. Denn das ist ein Phänomen, das vor allem bei Benefizkonzerten auftritt.

Ein lesenwerter Artikel der Berner Zeitung von vor einem Jahr würde übrigens eifrig kommentiert: Die Klatschpolizei hört alles.

 

http://tt.bernerzeitung.ch/kultur/klassik/Die-Klatschpolizei-hoert-alles/story/19448559

 

Gesucht: Klassik zum Downloaden

Wer Musik macht, hört auch Musik. Wer klassische Musik macht, hört klassische Musik. Wer klassische Musik macht, übt und übt, um EIN Stück gut zu spielen. Er würde auch gern EIN Stück Musik kaufen. Doch was bei Rock, Pop und Schlager seit langem funktioniert, ist für Klassik eine Rarität: die Möglichkeit, einzelne Werke im Internet herunterzuladen. Warum gibt es keine Klassik-Download-Seiten, auf denen man alles findet und gegen Geld als MP3 herunterladen kann? Geordnet nach Komponisten, Werken, BWV-, KV-Verzeichnissen oder opus. Ich habe gegoogelt, gesucht, aber bisher nichts gefunden, was einen umfassenden Such- und Download-Service bietet. Vielleicht habe ich nicht richtig gesucht. Nicht genug und nicht ausdauernd genug. Beispiel gefällig? Ich suche von Vivaldi das „Gloria“. Tolles Stück, swinging Kirchenmusik sozusagen. Gibt es im Internet zum kostenlosen Download – als Klingelton. Ich will aber keinen Klingelton in der Gesamtlänge von 2,09 Minuten. Ich möchte das ganze Stück, und zwar nur das Stück mit allen seinen Sätzen, nicht mehr und nicht weniger. Ich könnte natürlich eine CD kaufen, aber da bekomme ich das Gloria entweder zusammen mit Bachs Magnifikat oder mit diversen Glorien anderer Komponisten. Ich möchte aber nur Vivaldi und sonst nichts. Wer weiß eine Seite, die Klassik differenziert zum Herunterladen anbietet? Ich bin für jeden Tipp dankbar.

 

Diese Übersicht lohnt, näher untersucht zu werden. Bringt mich auf den ersten Blick aber auch nicht wirklich weiter.

www.suite101.de/content/klassische-musik-kostenlos-downloaden-die-besten-legalen-quellen-a80943