Buchsouvenir: Der verlorene Retro-Futurismus

In meiner Reihe „Buchsouvenir“ geht es heute um ein verlorenes Buch. Es ist sogar ein doppelt verlorenes Buch. Es behandelt im weitesten Sinne den Futurismus, allerdings in populärwissenschaftlicher Art. Es war, so habe ich es in Erinnerung, ein Jugendbuch. Leider besitze ich es nicht mehr. Schlimmer: Ich weiß den genauen Titel nicht mehr.

Bücher
Es ist ein Buch, was uns in den 1970er- oder 1980er-Jahren vorraussagte, was die Zukunft bringen werde. Da war von selbstfahrenden Autos die Rede, von Geld, das sich per Karte aus dem Automaten ziehen, ja, mit dem sich per Karte sogar bargeldlos bezahlen ließ. Von sich selbst füllenden Kühlschränken und Hausaufgaben, die auf einen Bildschirm projiziert werden. Und von Zügen, die wie früher die Hausposthülsen durch Rohre geschossen werden. Alles Dinge, vielleicht mit Ausnahme der Hauspost-Züge, die uns heute bekannt vorkommen.

Das alles war illustriert mit wirklich sehenswerten Bildern. Ich habe  viele davon noch vor Augen. Eingebettet waren all diese Voraussagen des Futurismus in die Geschichte einer Familie. Vater, Mutter, Tochter, Sohn, die ihren Alltag in der schönen neuen Welt der Zukunft verbringen.

Zwei Mal verloren

Ich habe dieses Buch einmal besessen, ich weiß nicht mehr, woher ich es bekommen habe. Dann habe ich es verliehen und nicht wiederbekommen. Das hätte mir eine Lehre sein sollen. Als es mir in den 90er-Jahren bei einem Flohmarkt erneut in die Hände fiel, habe ich es sofort gekauft – und es noch einmal verliehen. Auch diesmal kam es nicht zurück. Seitdem habe ich es nie wieder finden können. Ich habe mich sehr geärgert, es beim ersten Mal nicht eisern festgehalten zu haben.

Jetzt ist es futsch. Da ich mich nicht mehr an den Titel erinnern kann, haben bisher alle Google-Suchen ins Leere geführt. Ein Suchwort gibt es allerdings, dass mich weiterbringen könnte. Retro-Futurismus, nicht zu verwechseln mit dem Futurismus, der italienischen Kunstgattung des frühen 20. Jahrhunderts. Der Retro-Futurismus bewegt sich zwischen Illustration und Comic und umfasst Zukunftsbilder aus dem späten 20. Jahrhundert. Bei der Google-Bildersuche ist einiges dabei, was mich an mein verlorenes Buch erinnert.

Die „Visionen 2010“ mit Bildern unter anderem von Klaus Bürgle und vor allem Günter Radtke kommen meiner Erinnerung schon ziemlich nahe. Vielleicht hieß das Buch sogar „Visionen 2010“. Unter diesem Namen wurde allerdings ein Kalender von 2010 mit Illustrationen von Klaus Bürgle vertrieben. Außerdem wurde er als Weltraummaler bekannt. In meinem Buch ging es mehr um den schönen neuen Alltag auf der Erde.

Einen möglichen Hinweis auf das Buch habe ich zwar bekommen, es war aber nicht das richtige. Dabei ging es um das DDR-Buch „Weltall-Erde-Mensch“, das offenbar sehr populär war oder gemacht wurde, weil es als Geschenk zur Jugendweihe beliebt war. Mein Buch stammte aus dem Westen.

Ich wäre so dankbar, fände ich mein Futurismus-Buch wieder. Wer einen Hinweis hat, immer her damit.

Ein Kommentar

  1. Nur als Ergänzung: „Weltall – Erde – Mensch“ bekamen die Jugendlichen während der Zeremonie überreicht. Es war also nicht als Geschenk beliebt, sondern das offizielle Jugendweihe-Buch…

    Ich kann dir damit leider nicht dienen – ich gehörte zu den paar Prozent meines Jahrgangs, die keine Jugendweihe erhalten haben…

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This Blog will give regular Commentators DoFollow Status. Implemented from IT Blögg

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere