Susanne Peyronnet *1960 Wurzeln in Niedersachsen Leben in Schleswig-Holstein Redakteurin seit 1981 Hobbys: Reisen, Lesen, Reiten Musik: Klassik, Klassik, Klassik (Ausnahme Kammermusik) Länder: Deutschland, Frankreich

Gut leben, gut sterben, gut schmecken: Wider den überzogenen Tierschutz

Unsere glücklichen Cröllwitzer Puten: Erst Garten-Deko, dann Weihnachtsbraten

Ja, auch Tiere haben Menschenrechte. Oder anders ausgedrückt: Niemand hat das Recht, Tiere zu quälen, ihnen Futter, Wasser und eine  angemessene Unterkunft zu verweigern, sie verwahrlosen zu lassen oder unsachgemäß zu töten. Aber es gibt auch einen überzogenen Tierschutz, der sämtliche normalen Maßstäbe außer Acht lässt.
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Die aberzogene Empathie

Wo bleibt unser Mitgefühl für die sogenannte Unterschicht?

„Die sollen erst mal arbeiten.“ „Typisch Hartz IV“. Oder: „Selbst schuld.“ Sprüche, die die Spaltung unserer Gesellschaft in die da oben, die da unten und die, die fürchten, von da ob nach da unten zu fallen, auf den Punkt bringen. Ein Phänomen, das die „Zeit“ gerade in einem Artikel sehr tiefgründig beschrieben hat.

Rohe Bürgerlichkeit:

http://www.zeit.de/2011/39/Verteilungdebatte-Klassenkampf/

Was aber beflügelt den Klassenkampf von oben? Das unsichere Gefühl in Zeiten von Rettungsschirmen, die von hier bis zum Universum reichen, oder die Angst um den Abstieg. Ja, auch. Aber es sind vor allem die Medien und die Politiker. Und die Armen selbst.
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Bildkritik mit Mehrwert

Schloss Rundale in Lettland - vor (oben) und nach der Bearbeitung
Schloss Rundale in Lettland - vor (oben) und nach der Bearbeitung

„Klasse Foto“, „gefällt mir“ oder „interessante Perspektive“: Bildkritiken in Fotocommunitys – und damit meine ich nicht nur die eine – sind oft schnell hingehuscht. Beim Durchklicken wird hier oder da ein kurzer Satz fallen gelassen. Das hilft dem Fotografen nicht viel weiter, und letztlich sind solche Kommentare freundlich gemeint, aber nicht von großem Wert.

Dann gibt es noch „echte“ Bildkritiken Weiterlesen

Internetsucht oder wie Millionen Deutsche krank geredet werden

Gehen wir doch mal auf die Suche nach Süchten. Gestern geisterte die Schlagzeile durch den Blätterwald, mehr als eine halbe Million Deutsche seien süchtig nach dem Internet. Ich stelle mir das so vor, dass diese Menschen jenseits von Tastatur und Bildschirm oder Androidhandy Schweißausbrüche bekommen, unter Übelkeit leiden und ganz hibbelig werden. Bis sie endlich wieder – ja, was denn? Im Netz lesen dürfen. Oder spielen. Oder chatten.
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Katzentod auf der Straße

Sie kam als kleine Katze zu uns, als Ersatz für eine geliebte andere, die den Tod auf der Straße fand. Und nun ist auch unsere Nanni ist tot. Gestorben in der Nacht unter den Reifen eines Autos. Wir haben sie heute morgen gefunden und begraben.

Katzen sind keine Hunde. Sie sind unabhängig, freiheitsliebend, und wir wollen unsere nicht einsperren. Haben sie doch so viel Platz ums Haus, dass sie sich draußen richtig austoben können. Doch vor dem Haus verläuft eine Straße. Nicht viel befahren, aber doch gefährlich für Katzen. Und so kam es, wie es kommen musste. Einer unserer drei Stubentiger kam heute nicht nach Hause.
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Texte wie Musik erklingen lassen

Wie kommt mein Chor in die Zeitung?

Binnenwahrnehmung ist nicht gleich Außenwahrnehmung. Niemand weiß das besser, als (Laien)Chöre und Musikrezensenten. Da übt ein Chor monatelang, um ein großes Werk auf die Bühne zu bringen. Ein besonderer Moment für alle Sänger, den sie gern auch öffentlich gewürdigt wissen wollen. Aber wer liest Konzertberichte? Nur die, die mitgesungen oder -musiziert haben und die, die im Publikum saßen. Sollten Zeitungen deshalb keine Berichte von Laienkonzerten mehr bringen?
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Dann tu’s doch

Nein, ich will mich nicht einreihen in die Jammerer über das Denglishe, das unsere Sprache verhunzt. Denn es geht noch schlimmer.

Jüngstens Beispiel, das mir jetzt unterkommen ist: der „Tu’s Day“ der Initiative „Mehr wissen, mehr tun“. Anlass ist die Aktionswoche der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, und Klassen und Arbeitsgemeinschaften werden aufgefordert, originelle Ideen für eine Tag zu entwickeln und umzusetzen. Und dann kommt noch so ein Wortungetüm. Vorgeschlagen wird etwa ein „Off-Knopf-Tag“. Vermutlich ein Tag, an dem der Off-Knopf elektrischer oder elektronischer Geräte gedrückt wird. Wobei es doch logischer wäre, sie gar nicht erst „on“ zu schalten, dann braucht’s auch keinen Off-Knopf.

Auf der Hompage der Aktion geht es dann lustig weiter mit den Sprachmarotten. „BesserWisser“, „AufGefallen“ und „Labelpark“ heißen die Unterkategorien. Schlimm genug, dass hier die schrecklichen Binnenmajuskeln verwendet werden, bei „AufGefallen“ schmerzen sie obendrein besonders, weil hier der Großbuchstabe im Wort völlig unvermittelt und sinnlos daherkommt.

Der „Tu’s Day“ richtet sich an Schüler, ebenso wie die Homepage. Da frage ich mich: Wäre es nicht gerade bei denen, die Tag für Tag in der Schule schwitzen, um gutes Deutsch zu lernen, besonders wichtig, ihnen ein gutes Vorbild zu sein? Die Idee soll doch überzeugen, nicht der Sprachfirlefanz, mit dem sie offenbar an die Jugendlichen gebracht werden soll. Wenn schon tun – was sowieso kein schönes Verb ist – dann doch bitte am „Tu’s Tag“, das hat wenigstens noch Sprachmelodie.

Die Initiative „Mehr wissen, mehr tun“:

http://www.mehr-wissen-mehr-tun.de/index.php?id=home

Daniel Grosse über „Die BinnenMajuskel – SchreibUngetüm aus der MarketingAbteilung“:

http://www.goethe.de/ges/spa/siw/de4465280.htm

Eine satirische Verteidigung der Binnen(M)majuskel:

http://www.phase-5.net/am-rande-der-philosophie/ueber-binnenmajuskel-und-kamelhoecker/

 

Lesen 2.0

Ich lese gern, ich lese viel, ich lese oft, ich lese beruflich, ich lese privat, ich lese, lese, lese . . .

Vor Jahren habe ich einmal befürchtet, mehr und schneller zu lesen, als geschrieben wird. Eine Befürchtung, die mir heute nicht mehr in den Sinn kommt. Seit es das Internet gibt, ist der Lesestoff förmlich explodiert. Nicht nur, weil mehr geschrieben wird, sondern weil der Zugang dazu viel unkomplizierter geworden ist. Aber zugleich selektiver.

Das Buch, die Freude an Literatur klammere ich in dieser Betrachtung aus. Es geht mir ums tagesaktuelle Lesen und ums informierende Lesen.

Dicke Zeitungswälzer, die „Zeit“,  die „Welt“, die „Süddeutsche“, gab es schon immer. Aber wer hat sie alle abonniert, alle gelesen? Jede Entscheidung für eine Zeitung war nur eine selektive. Nur die eine oder nur die andere. Heute stehen so viele gute Artikel im Netz, dass ich heute einen „Zeit“-, morgen einen „Welt“-Artikel lesen kann, ohne alle anderen der jeweiligen Ausgabe auch nur zu sehen. Ich suche gezielt aus, aber nicht mehr aus einer Zeitung, sondern aus vielen.

Das lässt sich auf Fachzeitschriften übertragen. Zu jedem Thema findet sich ein tief gehender Text im Netz. Was sonst noch in einem Heft steht, bekomme ich via Google gar nicht zu sehen, weil ich nach dem Schlagwort, dem Thema suche, das mich interessiert. Aber die, auf die ich per Zufall stoße, wenn ich im Heft blättere, um dann daran hängen zu bleiben, sehe ich gar nicht mehr. Da geht auch viel verloren.

Doch es gibt Zufallstreffer. Als Twitterer werde ich tagtäglich mit Links zu interessanten Artikeln gefüttert. Und von dort hangele ich mich oft über Links zu verwandten oder interessanten Themen weiter. Die Kunst, den User anzufüttern mit der guten Schlagzeile, genauer: Linkzeile, ist heute wichtiger denn je.

Hinzu kommen Blogs. Blogs zu allem und jedem Thema, Blogs für Gartenliebhaber, für Gartenarbeithasser, Blogs für Sprachfetischisten und Foto-Freaks, für Hundeliebhaber und Katzenfreunde, Blogs, Blogs, Blogs. So viel gute Texte, damit einem nie das Lesefutter ausgeht.

Oft wird dieses Futter hinuntergeschlungen. Und allzu schnell verdaut. Wir verschlucken uns nicht daran, sondern wir leiden an Lese-Bulimie. Uns mit etwas zu füttern, das wir bei uns behalten, ist die große Kunst der Schreiber im Online-Zeitalter. Das schaffen nur die wahren Könner des Wortes. Zum Glück gibt es sie heute genauso wie früher.

Juergen von Liechtenecker hat sich ausführlich zum Leseverhalten im Internet Gedanken gemacht:

http://liechtenecker.at/leseverhalten-im-internet/

Gilt für Zeitungen, aber auch fürs Netz – Wie man Leser zum Dableiben animiert:

http://www.diefeder.at/blog/2011/02/11/leseverhalten-was-animiert-wann-steigen-leser-aus/

Namen als Mengenbegriff

„Meyer, Müller, Schulze, Schmidt, machen jede Party mit“, hieß es früher. In Zeiten von Google und Yahoo haben es Meyer, Müller, Schulze und Schmidt sehr schwer, vor allem, wenn sie mit Vornamen wie Thomas, Michael, Andreas, Andrea, Stefanie oder Julia heißen. Das sind keine Namen, das sind Mengenbegriffe, sagen böse Zungen.

Ein Meyer-Müller-Schulze-Schmidt-Nachname, kombiniert mit einem Allerweltsvornamen, ist kein Alleinstellungsmerkmal in Zeiten des Internets. Und wer so jemanden googelt, egal ob Fremd- oder Ego-Googeln, muss oft lange suchen, bis er den oder die findet, die er sucht. Manchmal hilft der Beruf weiter, etwa bei Firmenchefs, oder die Branche. Geht es um Privatpersonen, wird die Sache ungleich schwieriger. Und so mancher Träger eines Allerweltsnamens wird im Suchmaschinen-Zeitalter schon oft über die Einfallslosigkeit seiner Eltern geschimpft haben. Wenn der Nachname schon nichts besonderes ist, könnte einen ja wenigstens der Vorname aus der Masse hervorheben. Der Politiker Meyer, einst CDU-Generalsekretär, verfügt immerhin über die schönen Vornamen Donatus Laurenz Karl, wobei er nur unter Laurenz Meyer bekannt ist. Der aktuelle Bundestag verfügt über sechs Müllers

nur einen Meyer/Meier/Mayer

zwei Schulz

und vier Schmidts

Um der Misere mit den Allterweltsnamen abzuhelfen, bleibt nichts anderes, als entweder auf eine ungewöhnliche Schreibweise zu setzen oder dem Allerwelts-Nachnamen ein Anhängsel zu verpassen.Die etwas andere Schreibweise, gekoppelt mit einem Doppelnamen, hebt Armin Mueller-Stahl aus der Masse der Müllers hervor, ebenso Marius Müller-Westernhagen. Müller-Wipperfürth gibt es im Netz gleich zwei Mal, einmal als Herrenschneider Alfons Müller-Wipperfürth, geborener Müller und Fabrikant in Wipperfürth, und einmal als Zahnarzt Müller aus Wipperfürth. Manchmal tut’s auch ein ungewöhnlich geschriebener Vorname, etwa Stefani (gibt es tatsächlich), um sich abzuheben. Wer auf keine dieser Varianten zurückgreifen kann, dem bleibt nur noch, jemanden mit einem ungewöhnlichen Nachnamen zu heiraten und dessen Namen anzunehmen.

Wer mag, kann hier gucken, wie häufig sein Nachname wo in Deutschland ist:

http://www.verwandt.de/karten/

Alles über Vornamen gibt es hier:

http://www.beliebte-vornamen.de/

Mit Namen befasst sich auch dieses Blog von Claudia Rothe:

http://www.namenschenken.de/2011/06/19/tipps-zur-vornamenwahl-anno-dazumal/

Und hier sinniert Kilian Evang vom Texttheater über Vornamen und Voruteile:

http://texttheater.net/vornamen-und-vorurteile

Denkmal auf vier Hufen

Am Sonntag war Tag des offenen Denkmals. Und Kaltbluttag in Mollhagen im Kreis Stormarn bei Hamburg. Kaltbluttag – das ist auch eine Art Denkmaltag. Die wuchtigen Pferde sind seit Beginn der Motorisierung in der Landwirtschaft zunächst fast völlig verschwunden. Heute sorgen Liebhaber dafür, dass diese Pferde nicht aussterben. Manchmal buchstäblich in letzter Minute, etwa bei den Friesen – zugegeben, heute keine reinen Kaltblüter mehr – und beim Schleswiger Kaltblut. Engagierte Züchter, vor allem der verstorbene Thomas Isenberg von Gut Kamp in Schleswig-Holstein, haben mit den letzten Schleswiger Hengsten diese Rasse gerettet. Ein Denkmal des Landes auf vier Hufen, das schleswig-holsteinische Ackerpferd schlechthin.

Die Mitglieder im Kaltblutverein Mollhagen, und nicht nur die, investieren heute viel Arbeit, Geld und Freizeit, um uns das Schauspiel, das diese Pferde bieten, zu erhalten. Ob vor dem Pflug, der Kutsche oder unter dem Sattel: Beim Kaltbluttag, der jedes Jahr tausende von Besuchern anzieht, zeigen sich die Kaltblüter von ihrer besten Seite. Wer sich dort aufmerksam umsieht, versteht schnell, dass der Spaß, diese Pferde zu besitzen und mit ihnen zu arbeiten, mit viel Aufwand verbunden ist. Zaum, Geschirr und Sattel müssen größer sein als üblich, die Pferdeanhänger stabiler und größer, die Zugautos ebenfalls. Zu besonderen Anlässen wollen die Dicken gestriegelt und gebürstet, die üppigen Behänge gebürstet, Mähnen geflochten und Geschirre gewienert werden. Die Pferde danken es ihren Besitzer mit Leistungswillen und ihrer Gutmütigkeit. Und wer glaubt, Kaltblüter seien behäbig, der wird bei den Darbietungen eines Besseren belehrt.

Die Kaltblutpferde-Freunde erhalten uns ein landwirtschaftliches Denkmal. Deshalb war der Tag des offenen Denkmals gerade der richtige Tag für den Kaltbluttag in Mollhagen.

[lg_slideshow folder=“Kaltbluttag in Mollhagen 2009/“]

[lg_slideshow folder=“Kaltbluttag in Mollhagen 2011/“]

Hier geht es zu den Akteuren von Mollhagen und einer Kurzbeschreibung des Kaltblutvereins:


http://www.pferdesport-hamburg.de/Kurzportrait_Kaltblutverein_Mollhagen_2007-08-04.pdf

http://www.hermann-drechsler.de/  

Übrigens: Der nächste Kaltbluttag findet in Mollhagen am 8. September 2012 statt.